9 Gründe für ein Leben ohne Zucker, die Ihr so noch nicht gehört habt


Ich konnte den Kampf gegen Industriezucker vor einiger Zeit für mich entscheiden. Eine liebe Freundin ist gerade mittendrin und fragte vertrauensvoll um Rat. Ein willkommener Anlass für diesen vielleicht wichtigsten Beitrag in Eurem Kampf gegen Zucker.

Eine aktuelle Recherche ergab: Das Netz ist voll von immer wieder denselben Ratschlägen, doch wichtige Punkte fehlen. Ich will Euch daher 9 Gründe für Zuckerverzicht näherbringen, die mir persönlich sehr geholfen haben, die Ihr so vermutlich noch nicht gehört habt:

  1. Anbau und Ernte von Zuckerrohr geschehen unter Arbeitsbedingungen, die an Sklaverei erinnern.
  2. Zuckeranbau belastet Mensch, Tier und Umwelt.
  3. Zucker ist das verheerendste und hinterhältigste aller Suchtmittel.
  4. Die Zuckerindustrie ist der einzige Suchtmittelzweig, der gut meinende Unwissende schamlos ausnutzt.
  5. Zucker zerstört den Dopaminhaushalt und lässt uns schwerer Freude im Leben empfinden.
  6. Zuckersucht mindert jegliche Art von Disziplin.
  7. Zucker ist höchstwahrscheinlich der wahre Auslöser für hohe Blutfettwerte und Herz-Kreislauf-Krankheiten.
  8. Werbebotschaften der Süßwarenindustrie sind entweder fatale Lügen oder suggestive Manipulation.
  9. Die Süßwaren- und Junkfoodindustrie hasst ihre Kunden.

Ich schließe mich Hans Ulrich Grimm, dem Autor von „Garantiert gesundheitsgefährdend“ an: Gemessen an der Zahl der Toten, Kranken, und Süchtigen, kann man die Zuckerindustrie gut und gerne als „das Böseste“ bezeichnen. Von ausbeuterischen Rohstoffproduzenten in Brasilien, bis hin zu manipulativ werbenden Süßwarenherstellern wie Ferrero, Mars, Nestlè oder Lindt.

Sie haben uns als Kinder geködert, unsere Eltern und Großeltern zu naiven Gehilfen gemacht. Als Erwachsene erkranken wir an ihren Produkten oder führen einen verzweifelten Kampf gegen die Sucht.

Es ist ein harter Weg. Wer am Anfang steht und herausfinden will, warum Zucker dem Körper überhaupt schadet, wie er sich vermeiden lässt, nach praktischen Tipps und Alternativen sucht, ist hier falsch. Ich verweise Euch in dem Fall auf die aktuellen Google-Ergebnisse. Wer sich allerdings eine lebenslange, effektive, bewusste und unterbewusste Abneigung gegen das weiße Gift und deren Vertreiber wünscht, liest bitte weiter.

Grund #1: Die Zuckerernte: Die (erste) dunkle Seite des Zuckers

Rohrzuckerernte ist Blutarbeit.

Die erste Spur der Verwüstung startet in Brasilien. Das Land ist mit über 50 % Anteil der größte Exporteur von Rohrzucker. Und Zuckerrohr zählt zu jenen Nutzpflanzen, die heute kaum anders als vor 300 Jahren geerntet werden, mit schweißtreibender, zermürbender, und nicht selten blutig körperlicher Arbeit.

Die Lebenserwartung eines Arbeiters verkürzt sich um mehrere Jahrzehnte. Es herrscht großer Leistungsdruck, Erschöpfungszustände an der Grenze zum Kollaps sind die Norm, Pestizide belasten die Atemluft. Zudem wird der Zuckerrohr direkt vor der Ernte angezündet damit die Felder sich leichter bearbeiten lassen. Das Einatmen von Rauch und Asche gehört zum Arbeitsalltag.

Das alles geschieht natürlich zum gesetzlichen Mindestlohn von kaum 200 Euro im Monat. Menschenrechtler prangern diese Zustände seit Jahrzehnten an. In Brasilien herrscht jedoch weitgehend das Gesetz des Stärkeren, also ein eher einseitiges, korruptes Zusammenspiel von Politik und finanzkräftigen Konzernen.

Keine andere Wahl?

Nun drängt sich natürlich die Frage auf: Warum arbeitet überhaupt irgendjemand zu solchen Bedingungen? Die Antwort ist einfach. Diese Menschen haben tatsächlich keine andere Wahl. Es ist das alte Spiel: Politik und Finanzkraft haben dafür gesorgt dass einstige kleine Landwirtschaften und Selbstversorgungen zu Anbauflächen von Zuckerrohr wurden. Es gibt also weder eine Möglichkeit sich selbst zu versorgen, noch alternative Arbeit. Wer nicht verhungern will, muss zu vorgegebenen Bedingungen auf den Zuckerrohrfeldern arbeiten.

Eine Verbesserung zu früher

Zynische Gemüter mögen nun einwenden, dass die heutige Situation der Arbeiter ein Urlaub ist im Vergleich zu vergangenen Tagen. Die Zuckerindustrie in Brasilien blickt auf eine lange Geschichte der Sklaverei zurück. Es herrschte mehr Elend, Grausamkeit und Sadismus auf den Zuckerrohrfeldern als wir es in Filmen wie „Django“ oder „12 Years a Slave“ auch nur ansatzweise sahen. Sklaven waren sprichwörtlich „Einwegware“.

Paradoxerweise stammen wesentliche finanzielle Mittel heutiger Zuckerdynastien aus eben jenen Zeiten. Man könnte also sagen, die wirtschaftliche Unterdrückung der heutigen Arbeiter, geschieht mit Geldern zum Teil lukriert aus schlimmster Form körperlicher Unterdrückung vergangener Arbeiter.

Die heutige Situation ist insgesamt definitiv eine Verbesserung, dennoch klebt an jedem Bissen und jedem Schluck Rohrzucker das Blut der Feldarbeiter, aus der Gegenwart und der Vergangenheit.

Obendrein wäre es naiv zu glauben, Sklaverei auf Zuckerrohrfeldern fände in einigen dunklen Ecken der Erde nicht immer noch statt. Die verheerenden Auswirkungen des Zuckeranbaus beschränken sich jedoch nicht auf den Menschen allein.

Grund #2: Zucker ist schlecht für die Umwelt

Die globale Zuckerernte im Jahr 2018/19 betrug 185 Millionen Tonnen. Im Schnitt verursacht ein 1 kg Zucker 0,5 kg CO2, also im Jahr 2018/19 gut 92,5 Millionen Tonnen. Das klingt nach viel, ist aber nur etwa 5 % dessen was die globale Fleischproduktion, oder nur etwa die Hälfte dessen was der Verkehr in Deutschland verursacht.

Hinzu kommen natürlich noch der Wasserverbrauch, die Belastung durch Pestizide, Rodung des Regenwalds, das Verbrennen des Zuckerrohrs vor der Ernte. Doch es bleibt dabei, verglichen mit z. B. der Fleischproduktion belastet Zucker die Umwelt nur gering. Andererseits ist der Vergleich mit anderen Industrien ein wenig unfair (gegenüber den meisten anderen Industrien). Oder legitimieren wir den Coca Anbau weil dieser im Vergleich zum Flugverkehr kaum Treibhausgase verursacht?

Tierprodukte, Energie, Verkehr, etc. schaden zwar dem Planeten, versorgen den Menschen aber auch mit Unentbehrlichem. Die Zuckerindustrie mag nur eine vergleichsweise kleine Belastung für die Umwelt sein, diese Belastung ist allerdings überflüssig, und gleichzeitig die größte Strapazierung des Menschens Gesundheit, sowohl körperlich als auch psychisch.

Grund #3: Zucker ist das schlimmste aller Suchtmittel

Kein anderes Suchtmittel forder mehr Opfer.

Alkohol, Tabak, Kokain, Opiate, Ecstasy, Zucker; wirken auf Dopaminrezeptoren im Gehirn und verschaffen uns eine Form von Vergnügen. Wir alle haben vermutlich schon von den armen Ratten gehört mittels derer ermittelt wurde, dass die Abstinenz von Zucker ähnliche Entzugserscheinungen verursacht wie die Abstinenz von Kokain. Der Beweis für die drogenähnliche Wirkung und das Suchtpotential von Zucker ist also weitgehend erbracht.

Was den Zucker als Suchtmittel so besonders macht

Zucker ist in verschiedenster Form (Fruktose, Glukose, Maltose, Saccharose) Inhaltsstoff von Nahrung, vornehmlich in Früchten. Diese bieten neben Energie in Form von Zucker auch eine Reihe an Mikronährstoffen, Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen. Obst ist bis zu einer gewissen Menge gesund.

Ohne gezielte Kultivierung gäbe es Früchte jedoch nur saisonal. Und genau aus dieser Situation entstand des Menschens geradezu unbändiger Drang nach Süßem. Für eine sehr begrenzte Zeit im Jahr lieferte die Natur einen Reichtum an gesunden, süßen Schätzen in Form von Früchten und Beeren. Zwecks Überlebens machte es Sinn diese Zeit maximal zu nutzen und so viel davon zu essen wie nur möglich.

Die Evolution belohnte das Essen von Süßem über die Jahrhunderttausende daher mehr und mehr mit dem Ausschütten von Dopamin. Inzwischen aber haben sich die Umstände geändert. Heute stehen wir da, mit riesigen Regalen voller Süßwaren, und einem Geschmackssinn der darauf reagiert als wäre ein Orgasmusknopf in der Milchschnitte versteckt.

Genau das macht den Zucker als Suchtmittel so gefährlich. Wir verwechseln ihn unbewusst und auch bewusst mit tatsächlicher Nahrung, was er bezogen auf den Energiegehalt zu einem gewissen Grad auch ist. Der Mensch konnte sich evolutionär aber noch bei weitem nicht an die heutige Überflusssituation anpassen. Irgendwann entfaltet das Übermaß an Energie dann zwangsläufig seine explosive Wirkung. Im Falle des Zuckers in Form von Übergewicht, Diabetes, Herzleiden, Krebs.

Zucker vs. Kokain

Zucker und Kokain haben so manche Gemeinsamkeit.

Eine nette Analogie für den Unterschied zwischen Früchten und Zucker wäre das Kauen von Cocablättern im Vergleich zum Konsum des chemisch aufbereiteten, extrahierten weißen Pulvers. Die Blätter wirken sanft bis mittel anregend und haben leichtes Suchtpotential, das Kokain macht Menschen zu schlaflosen Energiebündeln und hochgradig abhängig.

Der wesentliche Unterschied zu Zucker ist der Grad der Verfügbarkeit. Der einzige Grund, warum es in den Straßen nicht von verzweifelten Seelen auf Zuckerentzug wimmelt, ist die ständige und allgegenwärtige Verfügbarkeit. Wer schon mal auf (Zucker) Entzug war und sich in den ersten paar Nächten vor Unruhe im Bett wälzte weiß wovon ich spreche.

Egal was hochbezahlte Lobbyisten von Ferrero und Co vor laufender Kamera behaupten, Zuckersucht ist real, brutal, und beginnt in den meisten Fällen schon in frühester Kindheit. Das süße System hat ganze Arbeit geleistet. Kein anderes Suchtmittel findet so viel gut meinenden, fehlgeleiteten Zuspruch.

Grund #4: Die Unterstützer des süßen Systems lauern überall

Fast jeder von uns hat diese bestimmte Art von Erinnerungen, schöne Erinnerungen, aus der Kindheit. Erinnerungen mit positiven Assoziationen hinsichtlich einer Person, der Großmutter, dem Onkel, einer kauzigen aber liebenswerten Nachbarin. Wie, oder besser gesagt womit haben diese Menschen sich unsere Zuneigung gesichert? Mit süßer Verführung, dem Kinderriegel, dem Überraschungsei, Karamellbonbons, dem Milcheis, der Milchschnitte.

Wie kann etwas das einem Kind so viel Freude bereitet auch schlecht sein? Gegenfrage: Wie kann Ecstasy schlecht sein wenn es Jugendlichen die Nacht ihres Lebens beschert, Kokain wenn es die Produktivität des Aktienhändlers um 200 % steigert, Morphium wenn es Schmerzpatienten endlich friedlich schlafen lässt, oder warum ist Heroin schlecht wenn es einer geplagten Seele vorübergehend zu allem Frieden und Glück dieser Welt verhilft?

Zugegeben der Vergleich ist überspitzt aber Ihr seht worauf ich hinauswill. Gut meinende Unwissende sind eine der Erfolgssäulen der Zuckerindustrie. Sie denken tatsächlich sie täten dem Kind etwas Gutes. In Wahrheit legen sie mit ihrer ungebildeten Naivität das Fundament für ein Leben voller Krankheit oder ständigem Kampf gegen eine Sucht.

Irgendwann sind die Kinder nicht mehr zufrieden mit dem was zuhause auf dem Esstisch steht, ein Nachtisch muss her. Der wöchentliche Lebensmitteleinkauf artet in eine Art Tyrannei der Kinder aus, die erst Ruhe geben wenn die Überraschungseier auch wirklich im Einkaufswagen liegen. Früher oder später bricht der Widerstand der Eltern und sie geben dem Terror nach.

Wer uninformiert gut meint, läuft Gefahr zu schaden

Deshalb ein kleiner Appell an all Euch Großeltern, Tanten, Onkels, Nachbarn: Werdet nicht zu dummen Gehilfen der Zuckerindustrie! Wenn Ihr Euren Enkeln, Nichten, Neffen, Kindern aus der Nachbarschaft ein süßes Lächeln ins Gesicht zaubern wollt, betreibt ein Mindestmaß an Aufwand. Lasst Kinder Pingui und Co im Regal, informiert Euch über vernünftige Alternativen, gebt entweder etwas mehr Geld aus, oder besorgt gute Zutaten und werdet selbst aktiv. Wem die Gesundheit der nächsten Generation diese minimale Mühe nicht Wert ist, muss auf ein „süßes“ Kinderlächeln schlichtweg verzichten.

Ich will Euch nach dieser kleinen Zurechtweisung aber nicht vollkommen im Regen stehen lassen. Für jene deren Enkel absolut nicht mehr für Obst oder Beeren zu begeistern sind, teile ich hier ein tatsächlich gesundes Rezept für selbst gemachte Schokolade. Gesüßt nur mit Stevia.

Grund #5: Zucker mindert die Wirkung von Dopamin

Zucker lässt uns weniger Freude im Leben empfinden.

Es ist „das Glückshormon“. Tun wir irgendetwas das dem Überleben oder der Arterhaltung dient, belohnt Mutter Natur dies mit einem Ausstoß von Dopamin. Dieser Mechanismus mag vor 30.000 Jahren wunderbar funktioniert haben, heute ist er eine Geisel der Menschheit. Wir leben in einer Welt, in der eine der größten Herausforderungen darin besteht, vernünftig mit dem Glückshormon umzugehen.

Ihr habt vielleicht schon mal was vom sog. „Dopaminfasten“ gehört. Es beruht auf der Fähigkeit der Dopaminrezeptoren, sich zu regenerieren, wieder sensibler auf das Hormon zu reagieren, und dem Menschen mit einer geringeren Menge Dopamins die gleichen Glücksgefühle zu bescheren. Im Klartext: Wenn wir einen Tag lang fasten, nicht fernsehen, und nur „Langweiliges und Anstrengendes“ tun, werden sich danach eine Schüssel Reis und die Nachrichten wie Popcorn im Kino anfühlen.

Jetzt wo wir den Mechanismus kennen und verstehen, wie verhält sich ein ständiges Übermaß an Zucker wohl auf die Fähigkeit des Gehirns, Freude und Vergnügen an anderen Lebensmitteln oder Tätigkeiten zu empfinden? Vermutlich nicht positiv. Die Dopaminrezeptoren werden mehr und mehr resistent. Irgendwann schmeckt einem nichts mehr außer Süßigkeiten und Junkfood. Doch das ist noch nicht alles.

Zucker mindert jegliche Freude im Leben

Ein Aufenthalt in der Natur, ein anregendes Gespräch, ein gutes Buch, Sport, Berührung, Sex; das alles beschert dem suchtfreien Gehirn ein herrliches Hochgefühl. Dem (Zucker) süchtigen Gehirn sind die sanften Dopaminausstöße solcher Aktivitäten oft zu wenig und der Mühe nicht Wert (mit Ausnahme von Sex vielleicht).

Wer sich mit großer Überwindung und trotz suchtbedingter Lethargie aufrafft, wird die Glücksgefühle durch Sport oder einen Spaziergang im Grünen zunächst als vollkommen unzureichend empfinden. Der Weg aus der Sucht ist steinig, viele schaffen ihn nie.

Grund #6: (Zucker) Sucht mindert die Disziplin

Ein Süchtiger ohne Suchtmittel verliert jegliche Disziplin.

Genau genommen ist es nicht Sucht die Disziplin und Schaffenskraft mindert, sondern der Entzug. Die Welt ist voll von produktiven Süchtigen. Alkoholiker, Raucher, Kiffer, selbst Kokainabhängige fallen tagsüber häufig gar nicht weiter auf. Auch die meisten Zucker- und Junkfoodsüchtigen wissen mit ihrer Sucht weitgehend umzugehen und machen bis auf wachsende Körperfülle einen guten Eindruck. Doch was passiert wenn der Nachschub ausbleibt, aus gesundheitlichen Gründen vielleicht irgendwann ausbleiben muss?

In Versuchen mit Ratten konnte man beobachten, wie Tiere auf Entzug jegliche Lebenslust verloren. Die Tiere wurden so lethargisch, sie standen nicht einmal mehr auf um zu essen oder zu trinken. Wenn man ihnen die Nahrung direkt in den Mund legte, reichte ihre Disziplin gerade noch um zu kauen und zu schlucken. Zugegeben der Vergleich ist überspitzt, aber verhalten sich Menschen auf Entzug so viel anders?

Ein Mensch auf Entzug kann ein verstörender Anblick sein, ein Häufchen Elend ohne Antrieb, Ambition oder klare Gedanken. Die meisten Menschen bleiben ihrem Laster daher tunlichst bis zum (häufig leider) verfrühten Lebensende treu. Wir stellen dies kaum noch in Frage und begnügen uns mit medizinischer Symptombekämpfung.

Ich will dieses Vorgehen auch nicht mal verurteilen. Ich kann jeden Süchtigen bestens verstehen. Das Leben wird einfacher und seine dunklen Seiten erträglicher mit regelmäßigen substanzbedingten Auszeiten. Es ist nicht lange her, da konnte ich mich erst entspannen mit laufendem Fernseher vor mir, dem Computer und offenem Online-Pokertisch auf dem Schoß, einem Bier in der linken Hand, der Aussicht auf ein zweites Bier im Hinterkopf, und seelentröstendem Essen von mindestens 1500 kcal im Anschluss.

War ich damals die beste Version meiner Selbst? Eher nicht. Niemand mit unbekämpfter Sucht wird das jemals sein. Mir persönlich ist das Erreichen der idealen Version von mir ein Lebenstraum. Das muss aber natürlich nicht jedem so gehen. Wem wenig an Selbstoptimierung liegt, lässt seinen Lastern in einem gesundheitlich verträglichen Maß bitte gerne freien Lauf. Auf die Art lebt es sich leichter und besser.

Verteilt den Dopaminbedarf!

Daher ein eher unkonventioneller Rat: Wem Zucker und Junkfood das größte Laster ist und keine Ambition hat sich zu verbessern, sollte in Betracht ziehen einen Teil des Zuckers mit Bier, Wein, vielleicht sogar mit Marihuana und Zigaretten zu ersetzen. Auf die Art deckt das Gehirn seinen Überbedarf an Dopamin nicht nur auf Kosten der Bauchspeicheldrüse und dem Herz-Kreislaufsystem, sondern auch auf Kosten der Lunge, und noch etwas mehr auf Kosten der Leber.

Wer will schon an Nierenversagen durch Diabetes sterben während die Lunge noch als Spenderorgan taugt!? Zieht auch Videospiele und Pornografie als Alternativen in Betracht. Worauf ich hinaus will … von allen Süchten und Substanzen dieser Welt hinterlässt Zucker im menschlichen Körper und Gehirn die größte Spur der Verwüstung, in absoluten Zahlen betrachtet.

Zucker fordert mehr Tote als sämtliche legalen und illegalen Drogen zusammen, genießt dabei aber den mildesten Ruf. Viele der Folgeerscheinungen des weißen Gifts konnte man bisher sogar erfolgreich anderen Nahrungsmitteln zuschreiben.

Grund #7: Zucker erhöht Cholesterin, Blutfettwerte, ist Hauptverursacher von Arteriosklerose, hohem Blutdruck und vielem mehr

Zucker ist Hauptursache von Diabetes, da wird kaum jemand widersprechen. Seine Rolle in der Entstehung von Krebs ist allmählich ebenfalls belegt. Interessant wird es bei den Themen Cholesterin, Blutfette, Arteriosklerose, Herzkrankheiten, hoher Blutdruck, eben den größten Todbringern. Als ehemaliger Veganer sehe ich mir heute noch gerne Expertendiskussionen zwischen Vertretern einer weitgehend pflanzlichen Ernährung, und Befürwortern einer Tierprodukt-lastigen Ernährung an.

Leider konzentrieren sich die beiden Extreme meist nur auf die Unterschiede in ihren Philosophien. Ich bin inzwischen überzeugt, der Schlüssel zum Erfolg liegt in den Gemeinsamkeiten. Und das ist bei sämtlichen Ernährungsideologien das Weglassen von Junkfood, vor allem von Industriezucker.

Ich will Tierprodukte nicht von jeglichem Verdacht freisprechen. Ein Übermaß und minderwertige Qualität schaden dem Menschen definitiv. Nach Hunderten Stunden der Recherche von Artikeln, Studien und Videos muss ich mich inzwischen aber weitgehend der Meinung von Experten wie Hans Ulrich Grimm anschließen. Seiner Meinung nach ist der Zucker Hauptauslöser von Herzkrankheiten und von Problemen mit Blutfetten.

Ihr werdet natürlich Studien finden die das Gegenteil beweisen, aber auch viele die genau dem entsprechen. In solchen Fällen greife ich gerne auf Anekdoten zurück. Und ich persönlich kann (gutes) Fett essen wie es mir beliebt ohne einen Unterschied in Problemzonen zu erkennen. Sobald ich aber schwach werde und dem Zucker fröne, ist der Sixpack am Tag darauf unter einer Fettschicht nahezu verschwunden.

Auf die Mischung kommt es an

Eine wichtige Erkenntnis aus all der Recherche muss ich noch erwähnen: Wirklich explosiv wird selbst Zucker erst in Verbindung mit Fett. Das heißt nun weder dass Fett schlecht ist oder Zucker alleine harmlos. Ernsthaft belastet wird der Stoffwechsel aber erst, wenn Fettmoleküle den dringenden Transport großer Mengen Zuckers in die Zellen stören und freie Radikale des Zuckers sich an LDL-Proteine binden.

Nun ich erspare Euch die Details an dieser Stelle. Wer mehr darüber erfahren will warum Zucker und Fett in Kombination eine wirklich schlechte Idee sind dem lege ich die weißen Worte einer meiner Idole Thomas Delauer ans Herz. Warum erst Zucker das „böse“ LDL zu einem Problem macht und die Arterien verkalkt erkläre ich in diesem Artikel.

Aus all dem ergibt sich eine denkbar simple Handlungsanweisung: Verzichtet dringend auf Produkte, die große Mengen Zucker mit großen Mengen Fett kombinieren, was mehr oder weniger das gesamte Sortiment von Ferrero, Mars und Co betrifft. Oder noch simpler: Boykottiert ganz einfach die Snack- und Süßwarenabteilung im Supermarkt!

Grund #8: Werbung und Marketing für gesüßte Produkte sind häufig fatale Lügen

Lüge und Manipulation haben unter Zuckerriesen eine lange Tradition.

Ihr habt vielleicht schon mal vom sog. „goldenen Windbeutel“ gehört. Die Organisation Foodwatch.org ruft Verbraucher jährlich dazu auf, über die dreisteste Werbelüge im Lebensmittelbereich abzustimmen. Ein kleiner Lichtblick im Kampf gegen die Zuckergroßmächte. So wurde Ferrero aufgrund der Verleihung 2011 quasi gezwungen, die Werbestrategie für die Milchschnitte als leichten Snack für zwischendurch oder während des Sports zu überarbeiten.

In den meisten Jahren geht der Antipreis zum Glück an Unternehmen, dessen Marketingstrategie für überzuckerte Produkte direkt auf Kinder oder gar Säuglinge abzielt. Gewarnt wurde zum Beispiel vor einem „Kinderkeks“ oder einer „Bio Kinder-Tomatensauce“. So werden hoffentlich zumindest ein paar unschuldige Seelen vor der Sucht bewahrt.

Und selbst wenn Werbekampagnen keine direkten Lügen aussprechen, die Hersteller pflanzen mittels „Neuromarketing“ auf widerwärtigste Art und Weise positive Assoziation mit den zuckrigen Todbringern ins Unterbewusstsein. So steht Coca Cola für Lebensfreude und Weihnachtsstimmung, Redbull für einen regen Geist, Nutella für einen guten Start in den Tag, Merci für Dankbarkeit und Wertschätzung, Mc Donalds für Mitarbeiterfreundlichkeit, Toffifee für familiäre Harmonie, Kinderüberraschung für Spaß und Abenteuer, Werther’s Original für nostalgische Kindheitserinnerungen

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Und mir ist schon klar das Angebot an Süßem ist groß und die Konkurrenz hart, man muss sich heutzutage fürs Marketing was einfallen lassen. Ein so hoher Grad der vorsätzlichen Widerwärtigkeit deutet dennoch ganz klar in Richtung einer verstörenden Tatsache:

Grund #9: Die Süßwaren- Junkfood- Softdrink- und Snackindustrie hasst ihre Kunden

Zugegeben das klingt etwas hart, aber anders kann ich mir deren Art des Wirtschaftens und Werbens nicht erklären. Ein Vorstandsvorsitzender von Ferrero empfindet dem Milchschnittenliebhaber gegenüber kaum anders als der Kopf eines Heroinrings gegenüber dem Junkie am Straßenrand.

Ein notwendiger Grundsatz nachhaltigen und konstruktiven Wirtschaftens ist: „Doing well by doing good“. Im Klartext: Man biete den Menschen wahren Wert und erhält dafür in ausreichendem Maße Gegenwert. Mir liegt zum Beispiel in höchstem Maße daran, dass meine Leser und in späterer Folge meine Kunden von meinen Texten und Produkten profitieren. Ich mag meine Kunden. Ihr Wohlbefinden liegt mir am Herzen.

Bietet man den Menschen wahren Wert, entwickelt, bewirbt und verkauft man sein Produkt mit gutem Gefühl. Denkt irgendjemand das geht den Produktentwicklern von Storck oder den Werbefachleuten von Milka ebenso? Ich glaube nicht. Solche riesigen Konzerne funktionieren nur mit strikt getrennten Abteilungen.

Produktentwickler im Lebensmittelbereich zum Beispiel sind in der Regel gebildete Leute und wissen was Zucker anrichtet. Könnten sie ihre Arbeit auch noch ertragen müssten sie eine auf Kinder gezielte suggestiv manipulative Marketingstrategie für ihre suchterregenden Kreationen entwerfen? Vermutlich nicht. Das übernehmen Werbefachleute die sich von jeglichen gesundheitlichen Überlegungen distanzieren.

Und ich weiß all die Mitarbeiter haben vermutlich Verpflichtungen, Familien zu versorgen und und und. Tut mir Leid aber das kann bei Millionen von Todesfällen jährlich keine Entschuldigung mehr sein. Machen wir uns doch den Spaß und stellen uns einen Konzern wie Ferrero als Einzelperson vor.

Eine Person entwickelt ein Produkt wie sagen wir den Kinderriegel, baut die Werbestrategie mit der „extra Portion Milch“ dafür auf, sieht zu wie Millionen von Kindern dadurch den Weg in die Abhängigkeit starten, sich Jahrzehnte ihres Lebens mit Krankheit verderben oder gar frühzeitig sterben. All das ist der Person bewusst, sie macht trotzdem unbeirrbar weiter. Ich für meinen Teil wüsste keine bessere Bezeichnung für eine solche Einzelperson als: „Der Teufel persönlich“. Ein Wesen das die Menschheit hasst, sie quält, dezimiert, sich an ihren Schwächen bereichert, und sie währenddessen belächelt.

Quellen:

Chris

Chris ist ausgebildeter Ernährungstrainer und beschäftigt sich seit jeher mit der komplexen Welt des Essens, was, wie viel, und warum es häufig sinnvoll ist, einfach mal darauf zu verzichten.

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