Autophagie gegen Krebs – Gut oder schlecht?


Fasten hat sich bereits in vielerlei Hinsicht bewährt, auch in Zusammenhang mit Krebs. Aber Autophagie alleine, induziert z. B. durch ein Supplement? Entsprechend dem Ernst der Thematik habe ich gründlich recherchiert.

Hilft Autophagie bei Krebs? Ist ihr Einfluss gut oder schlecht? Fördert sie ihn gar? Wie ist die aktuelle Studienlage?

  • Mit ziemlicher Sicherheit sagen lässt sich aktuell nur eines: Autophagie schütz präventiv vor Krebs.
  • Hat sich dieser erst mal entwickelt, spricht vieles dafür, manches aber dagegen. Abhängig auch von der Art des Krebses.
  • Jüngere Forschung tendiert wieder stärker in Richtung Pro Autophagie bei Krebs.

Bei einem so ernsten Thema versteht sich ärztliche Information und Rücksprache hoffentlich von selbst. Es finden sich bereits viele Spezialisten, die Fasten und Intervallfasten erfolgreich in die Krebstherapie integrieren. Aber was ist mit Menschen, die aufgrund bestimmter Umstände nicht fasten können oder sollten? Wäre es für sie ratsam, mittels Diät und Supplements für mehr Autophagie zu sorgen? Forscher gehen dieser Frage mehr und mehr auf den Grund.

Ach und wer sich jetzt erst fragt, was Autophagie eigentlich genau ist, eine einfache sowie eine detaillierte Antwort findet Ihr in diesem Artikel.

Autophagie gegen Krebs, Tumore und Tumorzellen – Wundermittel oder gefährlich?

Die Forschung zu Autophagie in der Krebsbekämpfung befindet sich noch in den Kinderschuhen. Studien liefern teils widersprüchliche Ergebnisse [1]. So wurde beobachtet, dass Autophagosomen Krebszellen schon mal direkt angreifen, was wünschenswert ist und großen Anlass zu Optimismus gibt. Andererseits ist Krebs hinterlistig, lässt das Immunsystem und damit auch die Autophagie für sich arbeiten.

Es wurde also ebenfalls beobachtet, wie Autophagie den Krebs schützt indem sie quasi seine Umgebung reinigt. Das macht den Krebs so gefährlich. Er trickst den Körper dahingehend aus, den Tumor zu beschützen anstatt ihn zu bekämpfen. Forschungsansätze bestehen in beide Richtungen. Es wird sowohl daran gearbeitet, die Autophagie gezielt dahingehend zu beeinflussen, dass sie Krebszellen angreift, es wird aber auch versucht, den Krebs mittels Unterdrückung der unmittelbaren Autophagie zu schwächen.

Es wird sich erst zeigen welcher Ansatz sich durchsetzt. Vielleicht beide, je nach Art des Krebses und Signalweg zur Aktivierung und Verstärkung der Autophagie. Jüngere Forschung tendiert wieder eher in Richtung, dass Autophagie auch bei bestehendem Krebs hilft, Gewissheit wird aber erst die Zukunft bringen.

Fördert Autophagie Krebs?

Wenn es darum geht ob Autophagie Krebs fördert, sind Studien sich weitgehend einig: Nein! Im Gegenteil, Autophagie greift potenziell zukünftige Krebszellen gezielt an. Wissenschaftler am Salk Institute haben dies herausgefunden, indem sie in gesunden menschlichen Zellen Tumor-unterdrückende Gene deaktivierten [2]. Daraufhin konnten sie beobachten, dass Autophagie diese sich unkontrolliert vermehrenden Tumorzellen angriff.

In weiteren Studien fand man heraus, dass diese Zellen sich schneller und aggressiver teilten, sobald die Autophagie deaktiviert wurde. Es lässt sich also ohne Gefahr behaupten: Autophagie hält gesunde Organismen gesund. Auch wenn sie durch bestimmte Lebensmittel, Superfoods, Tees oder Supplements induziert wird.

Autophagie durch Fasten und Intervallfasten bei Krebs?

Fasten scheint in Zusammenhang mit Krebs sehr hilfreich.

Fasten nimmt bei Krebserkrankungen eine Art Sonderrolle ein. Über die Rolle der Autophagie und ihre exakte Auswirkung auf den Krebs mag man sich noch nicht sicher sein, Fasten hilft aber auf vielfache andere Art gegen Krebs [3].

  • Krebszellen haben 10-mal so viele Glukoserezeptoren wie normale Zellen. Krebs lebt von Zucker. Wenn in der Fastenphase die Glukose im Blut und das Glykogen in Muskeln und Leber aufgebraucht ist, hungert der Krebs. Gesunde Zellen können auf Ketonkörper als Energiequelle umstellen, Krebszellen können das nicht. Eine ketogene Ernährung hat ebenfalls schon Vielen geholfen.
  • Fasten reduziert auch jene T-Zellen (Blutzellen, die der Immunabwehr dienen), die der Krebs das Immunsystem zu seinem Schutz produzieren hat lassen. Fasten nimmt dem Krebs quasi den Schutz durchs Immunsystem, schwächt ihn und macht ihn angreifbar.
  • Fasten reduziert auch entzündungsfördernde Proteine, wodurch es dem Körper erschwert wird, den Krebs zu versorgen und überhaupt welchen entstehen zu lassen.

Fasten nimmt eine immer größer werdende Rolle in der Krebsbekämpfung ein.

Autophagie und Läukemie

Läukemie ist leider ein gutes Beispiel für die herrschende Uneinigkeit, Autophagie gilt hier als doppelseitiges Schwert. Einerseits ist sie essentiell für die Entwicklung und den Schutz der seltenen und äußerst wichtigen sog. hämatopoetischen Stammzellen. Andererseits hat sich gezeigt, dass die Unterdrückung der Autophagie in läukemischen Stammzellen deren Ausbreitung verlangsamt und die läukemischen Zellen sensitiver macht für klassische Therapien mit TKIs (Tyrosinkinaseinhibitoren).

Mit Sicherheit sagen kann die Forschung momentan leider nur eines, nämlich dass noch viel umfangreicher und detaillierter zu dem Thema geforscht werden muss [4].

Fazit zu Autophagie bei Krebs

Zunächst noch mal ein Appell an die Vernunft: Arbeitet im Ernstfall so eng wie möglich mit dem Spezialisten Eures Vertrauens zusammen und besprecht eventuelle Maßnahmen in Sachen Autophagie. Vermutlich wird er oder sie regelmäßiges Fasten und Intervallfasten als Teil der Behandlung gut heißen, es hat sich bereits vielfach bewährt. Autophagie alleine, also ohne Fasten und induziert via Supplements oder bestimmten Lebensmitteln, hilft im Akutfall vielleicht, vielleicht macht sie aber genau das Gegenteil.

Autophagie ist ein höchst komplexer Vorgang, gleichzeitig noch ein sehr junges Forschungsgebiet. Entsprechend unbefriedigend sind die aktuellen Antworten der Wissenschaft bei Fragen zur Krebsbehandlung. Zwei Dinge kann man zurzeit aber mit ziemlicher Sicherheit sagen: Autophagie hilft gesunden Menschen dabei, gesund zu bleiben, und Fasten zeigt gegen Krebs großes Potential, sowohl präventiv als auch akut.

Quellen:

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6274804/
  2. https://www.genengnews.com/news/cancer-autophagy-relationship-turned-upside-down/,
  3. https://www.youtube.com/watch?v=WnK1FgxfIWM
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6387281/

Chris

Chris ist ausgebildeter Ernährungstrainer und beschäftigt sich seit jeher mit der komplexen Welt des Essens, was, wie viel, und warum es häufig sinnvoll ist, einfach mal darauf zu verzichten.

Recent Content