Intervallfasten und Alkohol – Möglich aber absolut nicht empfehlenswert!


Ich habe schon so manchen Fastentag mit Alkohol ausklingen lassen. War auch immer ein Riesenspaß, nach der heutigen Recherche werde ich das aber sein lassen.

Wie wirkt sich Alkohol während des Fastens auf den Körper aus? Bricht Alkohol die Fastenphase? Mindert Alkohol den Abnehmerfolg beim Intervallfasten? Mindert Alkohol die Benefits des Intervallfastens in Sachen Muskelaufbau, Gesundheit und Jugendlichkeit? Wann ist während eines Fastenprotokolls die beste Zeit für Alkohol? Hilft Intervallfasten mit dem Hangover?

  • Alkohol hat 7 kcal/g und bricht eine Fastenphase mit dem ersten Schluck.
  • Trinken wir Alkohol als erstes nach einer Fastenphase, gelangt eine unüblich große Menge des Gifts in den Organismus.
  • Fastenbrechen mit Alkohol ist eine sehr schlechte Idee!!
  • Aber auch nach dem Fastenbrechen gilt: Alkohol mindert sowohl Abnehmerfolg, als auch die Benefits in Sachen Muskelaufbau, Gesundheit oder Jugendlichkeit, und zwar mehr als Alkohol dies ohne zu fasten täte.
  • Die beste Zeit für Party und Alkohol ist demnach an Nichtfastentagen.
  • Nach der Party hilft ein Fastentag wiederum bei der Regeneration.

Ich will hier niemandem die Lust auf Intervallfasten verderben, aber es verträgt sich weitgehend leider sehr schlecht mit Alkohol. Im Idealfall hält man Fastentage und Partyabende getrennt. Andererseits ist Alkohol aber auch eine herrliche Möglichkeit zu entspannen, sozialer Katalysator, und Jahrtausende altes Kulturgut. Es gibt zum Glück Möglichkeiten, auch an Fastentagen den potentiellen Schaden durch Alkohol ein wenig zu mildern. Das, warum Alkohol an Fastentagen von solch großem Nachteil ist, und vieles mehr erfahrt Ihr gleich im Detail.

Ach und wer sich jetzt erst fragt was Intervallfasten überhaupt genau ist und wie es funktioniert, erfährt alles darüber in diesem Artikel. Und wer meint bereits genug zu wissen und gleich mit dem Intervallfasten beginnen will, liest sich vorher bitte zumindest den Artikel übers richtige Fastenbrechen durch. Häufig steht und fällt damit der gesamte Fastenerfolg.

Alkohol bricht das Fasten

Alkohol gilt auch als „The other Macronutrient“, ein weiterer Makronährstoff. Fett liefert 9 kcal/g, Kohlehydrate und Proteine jeweils 4, Alkohol hat 7 kcal/g. Schon der erste Schluck setzt der Fastenphase ein Ende. Das alleine wäre noch harmlos. Alkohol bzw. Ethanol hat aber eher den Charakter eines Gifts als den einer Energiequelle.

Der Körper hat Mechanismen entwickelt, ihn möglichst schnell abzubauen indem er den Großteil davon zu Energie wandelt. Dies fordert allerdings seinen Tribut. Trinken wir Alkohol in gefastetem Zustand, schadet es dem Körper umso mehr.

Fastenbrechen mit Alkohol – lustig, aber eine sehr, sehr schlechte Idee!

Auf nüchternen Magen ist Alkohol äußerst schädlich.

Wie der Körper Alkohol verarbeitet

Fürs weitere Verständnis zunächst kurz der grobe Mechanismus des Alkoholabbaus: Sobald wir Alkohol trinken, priorisiert der Körper den Alkoholabbau momentan vor allem anderen. Dies geschieht im Wesentlichen mit einem Enzym namens ADH (Alkoholdehydrogenase). Es wandelt den Alkohol in das etwa 30-mal giftigere Acetaldehyd und verteilt es in jedes noch so kleine Kapillarchen der Leber.

Warum macht der Körper das? Weil Acetaldehyd das kleinere Molekül und sehr viel leichter zu verarbeiten ist. Mittels eines weiteren Enzyms namens „Aldehyddehydrogenase“ verarbeitet die Leber nun auf Hochtouren das extrem giftige Acetaldehyd in vergleichbar harmloses „Acetat“. Dies wird dann zu simplem Wasser und CO2.

Beeindruckend eigentlich dass der Körper etwas so giftiges wie Alkohol zu Wasser abbauen kann. Oder es ist einfach nur der Beleg, dass Alkohol schon sehr, sehr lange Teil der menschlichen Kultur ist. Dennoch geht das alles nicht spurlos an der Leber vorbei, und je nach Menge des Alkohols hinterlässt das Acetaldehyd bis zu seiner vollständigen Beseitigung einen stärkeren oder schwächeren Kater.

Warum Fastenbrechen mit Alkohol so schädlich ist

Der entscheidende Faktor für die Geschwindigkeit mit der wir Alkohol verarbeiten, bzw. in welcher Zeit die „reingeschüttete“ Menge in die Blutbahn und zur Leber gelangt, ist die Größe der Oberfläche, mit der Alkohol im Körper in Berührung kommt. Haben wir bereits etwas gegessen, ist dies nur die Innenwand des Magens. Während wir fasten ist allerdings die sog. Pylorus Klappe – das ist der Schließmuskel zwischen Magen und Dünndarm – geöffnet.

Der Alkohol kommt also nicht nur mit der vergleichsweise geringen Oberfläche des Magens in Berührung, sondern auch mit der riesigen Oberfläche des Darms. Auf die Art gelangt eine vielfache Menge Alkohols ins Blut und kurz darauf zur Leber. Diese ist dann heillos überfordert, und muss sämtliche anderen (wichtigen) Prozesse zurückstellen. Es kommt zu momentan viel größeren Mengen des vorhin erwähnten hochgiften Acetaldehyds.

Alkohol ist generell schon eine Herausforderung für den Organismus, verarbeitet über viele Stunden kann der Körper aber ganz gut damit umgehen. Trinken wir ihn auf nüchternen Magen ist das vielleicht ein Mordsspaß, die Verarbeitung wird dem Körper aber schon mal zu viel und die Leber erleidet unter Umständen Schaden.

Alkohol an Fastentagen nach dem Fastenbrechen – Schade um die Mühe!

Alkohol macht den Erfolg durchs Fasten zunichte.

Wir hätten geklärt dass Alkohol eine Fastenphase bricht und dabei verheerende Wirkung entfaltet. Wie steht es aber um das Gläschen Wein an einem Fastentag zum Abendessen? An normalen Tagen heißt es, ein Bier oder ein Gläschen Wein sind der Gesundheit zuträglich. Nun darüber lässt sich streiten, an Fastentagen gilt es aber keinesfalls.

Ein einzelnes Bier oder ein Gläschen Wein werden den Fastentag und die Fastenbenefits nicht vollständig verderben, der Körper profitiert aber definitiv mehr vom Fasten ohne Alkohol. Warum? Auch nach dem Fastenbrechen oder an Nichtfastentagen priorisiert der Körper den Alkoholabbau vor vielen anderen (wichtigen) Prozessen. Darunter auch den durchs Fasten beschleunigten generellen Schadstoffabbau, und vor allem, die korrekte und vollständige Verarbeitung wichtiger Nährstoffe aus der Nahrung.

Jetzt haben wir 16, 17, oder 20 Stunden gefastet, Sport getrieben, mental gearbeitet, der Körper hat sich mittels HGH, Sirtuine und Autophagie selbst geheilt, seine metabolische Flexibilität und Leistung verbessert. Während all dem benötigt er natürlich ausreichend Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe). Deren Speicher wollen nach einem Fastentag wieder aufgefüllt werden. Zu einem Fastentag gehört daher auch, den Körper wieder entsprechend zu versorgen.

Alkohol stört diese essentiellen Vorgänge, der Körper ist zu sehr damit beschäftigt, sich vor Schaden durch das Gift zu bewahren. Wie gesagt, ein Bier oder ein Gläschen Wein werden den Fastentag nicht vollständig verderben, im Einzelfall auch nicht direkt schaden, langfristig wird Alkohol die Fastenbenefits aber in einem zu hohen Maße beeinträchtigen. Ihr könnt ohne weiteres Intervallfasten und Alkohol genießen, trennt die beiden aber voneinander!

Begleitstoffe in alkoholischen Getränken

Der Schaden besteht auch nicht nur im Alkohol, also Ethanol allein, die meisten Getränke haben produktionsbedingt ungünstige Begleitstoffe. Die Sulfite im Wein belasten zusätzlich die Leber, das Östrogen im Bier macht jegliche Art von Muskelaufbau zunichte, in billigem Likör ist schon mal gefährliches Methanol mit drin. Beinah ausnahmslos jedes alkoholische Getränk schadet dem Körper weit über den Alkohol hinaus. Dies lässt sich nur minimieren, wenn man bereit ist überproportional viel Geld für sein Laster auszugeben.

Intervallfasten, Alkohol und Abnehmen

Alkohol ist auch Gift für den Abnehmerfolg.

All das gilt ganz besonders wenn Ihr mit Intervallfasten abnehmen wollt. Der Körper ist nach dem Fasten auf eine ungestörte Verarbeitung der Nahrung angewiesen. Wenn die Leber sich statt Nährstoffversorgung mit Alkoholverarbeitung beschäftigen muss, ist der Körper am Ende des Tages vielleicht unzureichend versorgt. Und auf schlechte Nährstoffversorgung reagiert er dann schon mal mit Heißhungerattacken.

Intervallfasten ist zum Abnehmen unter anderem auch wegen einer vorübergehend erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen so effektiv. Sie lassen das Bauchfett regelrecht schmelzen. Regelmäßiger Alkoholkonsum verhindert diesen Effekt fast vollständig.

Zudem liefert Alkohol mit 7 kcal/g keine unwesentliche Menge Energie. Ein Vierterl Rotwein liefert gleich mal 200 kcal, das kann den Unterschied zwischen Kaloriendefizit und Überschuss ausmachen. Wenn Abnehmen das gewünschte Ziel ist und Ihr weiterhin trinken wollt, dann verzichtet bitte auf Intervallfasten. Alle möglichen Szenarien sehen schlecht aus:

  • Szenario 1: Ihr wollt auf das tägliche Vierterl nach dem Fasten nicht verzichten, reduziert daher lieber die Kalorienmenge aus der Nahrung. Was wird passieren? Der Körper erhält unzureichende Versorgung und kann diese wegen dem Alkohol noch nicht mal richtig verarbeiten. Es entstehen Heißhungerattacken und/oder Nährstoffdefizite.
  • Szenario 2: Ihr kompensiert die Kalorien aus dem Alkohol mit Bewegung. Extra Bewegung heißt auch zusätzliche Belastung, also mehr genereller Nährstoffbedarf. Selbes Problem!
  • Einzige Möglichkeit: Ihr reduziert die Menge an Alkohol auf ein Minimum, sagen wir 0,2 l Bier oder ein halbes Achterl. Geradeso dass die Gewohnheit Befriedigung erfährt, die Menge aber zu klein ist um in Sachen Kalorien oder Alkoholverarbeitung relevant zu sein.

Alkohol und gesunder Gewichtsverlust widersprechen sich generell, auch eine mächtige Praxis wie das Intervallfasten löst diese Gleichung nicht.

Intervallfasten, Alkohol und Muskelaufbau

Der Hausverstand lässt erneut grüßen. Bei diesen Themen können wir auch getrost auf Studien verzichten. Jeder Athlet dieser Welt wird Euch sagen, dass Drogen und Alkohol sich negativ auf Leistung und Muskelwachstum auswirken. Intervallfasten kann Euch sehr viel geben, ändert an dieser Tatsache aber nichts. Ein Bierchen zum Abendessen am trainingsreichen Fastentag wird den Erfolg nicht zunichtemachen, ihn aber definitiv bremsen. Die Prioritäten muss jeder für sich selbst setzen.

Wie man die negativen Auswirkungen des Alkohols an Fastentagen begrenzt

Der beste Rat bleibt derselbe: „Trinkt nicht an einem Fastentag und fastet nicht an einem Partytag!“ Sollte es sich aber wirklich nicht verhindern lassen, dann brecht zeitig und esst vor dem Besäufnis zumindest einiges an Kohlehydraten. Mit volleren Glykogenspeichern tut sich die Leber etwas leichter mit der Verarbeitung und der Schaden wird ein wenig gemildert.

Wie Intervallfasten mit dem Hangover hilft

Intervallfasten kann den Hangover verkürzen.

Der Körper bekämpft bzw. neutralisiert Gifte im Körper mittels des natürlichen Antioxidans Glutathion (GSH). Es hilft auch bei der Neutralisierung durch die Vergiftung mit Alkohol. Wenn der Nachschub an Alkohol aber nicht reißt, sind diese Antioxidantien irgendwann zu Ende und ein Hangover entsteht.

Fasten hingegen füllt die natürlichen GSH-Levels wieder auf, kann nach einer Partynacht den Kater also drastisch verkürzen. Verfechter des „Katerfrühstücks“ liegen demnach falsch. Ich habe diese Hypothese vorgestern nach dem Osterwochenende direkt mit der Recherche getestet. Es war zwar verdammt anstrengend aber ich kann sie nun bestätigen.

Unterschätzt Alkohol nicht!

Wie gerne hätte ich Euch erzählt dass Intervallfasten die negativen Auswirkungen des Alkohols nahezu ausmerzt und der Traum vom rund um die Uhr feiernden Vorzeigeathleten zum Greifen nah ist. Sorry Leute, dafür ist Alkohol eine zu harte Droge. Gelegenheitstrinker durchleben hier und da einen kleinen Hangover, erleiden aber kaum bleibenden Schaden.

Bei Gewohnheitstrinkern sieht das anders aus. Sie verarbeiten Alkohol nach einiger Zeit nicht mehr nur wie vorhin beschrieben mittels ADH in der Leber. Bei ihnen wird ein weiteres Enzym namens „Cytochrom P450“ aktiv. Dieses Enzym verändert die Reaktion des Körpers auf Alkohol von Grund auf. Die Verarbeitung findet nicht mehr nur in der Leber statt, sondern wird allmählich auf zellulärer Ebene Teil der DNA. Man könnte sagen der Körper gewöhnt sich an Alkohol als ständigen Energielieferanten.

Optimisten würden jetzt vielleicht sagen: Na endlich! Das war auch mein erster Gedanke, doch das Ganze ist alles andere als harmlos. Ein anderes Enzym zur Alkoholverarbeitung namens Katalase wird ebenfalls aktiv und führt dazu, dass das vorhin erwähnte äußerst giftige Acetaldehyd bis ins Gehirn gelangt und dort für Verwüstung und Suchtverhalten sorgt.

Nun das war jetzt vielleicht ein wenig detaillierter als nötig. Doch die Kernbotschaft bleibt: Alkohol ist eine ernst zu nehmende Droge! Auf rein physiologischer Ebene wäre die beste Menge Alkohol gleich 0. Psychologisch sieht es häufig anders aus. Wie viele Menschen würden ohne Alkohol an Depressionen oder durch Stress entstandene Krankheiten zugrunde gehen? Ich wage es nicht zu schätzen.

Gewohnheitstrinker werden wohl weder Athleten, starke Persönlichkeiten, noch wirklich erfolgreiche Menschen, von der Gedächtnisleistung ganz zu schweigen, aber zumindest führen sie ein entspanntes und vermutlich längeres Leben als ohne Alkohol. Ich will weder regelmäßigen Konsum noch Abstinenz gut heißen, die Prioritäten im Leben muss letztlich jeder für sich selbst setzen.

Fazit zu Intervallfasten und Alkohol

Alkohol und Intervallfasten passen nicht zueinander. Wer Euch das Gegenteil erzählt, lügt oder will Euch was verkaufen. Alkohol macht die Fastenbenefits je nach Menge teilweise, oder vollständig zunichte. Während des Fastens oder als erstes danach ist Alkohol äußerst schädlich.

Ihr müsst allerdings auf nichts verzichten. Trennt ganz einfach Fastentage vom Alkohol und Partytage vom Fasten. Auf die Art könnt Ihr feiern, das Leben genießen, und Euch am nächsten Tag mittels Fasten schneller und besser von der Feier erholen. Unterschätzt Alkohol aber bitte niemals, nicht in seiner Wirkung auf den Körper, und vor allem nicht seinen Einfluss auf den Geist.

Quellen:

Chris

Chris ist ausgebildeter Ernährungstrainer und beschäftigt sich seit jeher mit der komplexen Welt des Essens, was, wie viel, und warum es häufig sinnvoll ist, einfach mal darauf zu verzichten.

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