Intervallfasten vs. Spermidin – Was ist mächtiger?


Ich faste wahnsinnig gerne, in den unterschiedlichsten Varianten, und käme nicht auf die Idee regelmäßiges Intervallfasten mit Supplements zu ersetzen. Das geht aber natürlich nicht jedem so. Es ist wiedermal an der Zeit für einen Blick auf die aktuelle Datenlage zu jenem Supplement, das per Werbeslogan eine Alternative zum Fasten sein soll – Spermidin.

Intervallfasten oder Spermidin – Was hat den größeren Einfluss auf Gesundheit und Langlebigkeit? Was führt zu einem höheren Anstieg der Autophagie?

  • Kurze Antwort: Intervallfasten!
  • Spermidin beeinflusst lediglich die Autophagie.
  • Die Benefits des Intervallfastens gehen weit über jene von Autophagie hinaus, Fasten ist dem Supplement also weit überlegen.
  • Intervallfasten verstärkt Autophagie messbar. Bei Spermidin fehlen konkrete Zahlen und Angaben.
  • Spermidin scheint dem Fasten lediglich in einem Fall überlegen, und zwar ausgerechnet im Kampf gegen das Coronavirus.

Viele Menschen wollen nicht, manche können aus gesundheitlichen Gründen nicht fasten. Eine große Bandbreite an Benefits bleibt jenen leider verwehrt. Es gibt inzwischen zwar eine Reihe an vielversprechenden Wirkstoffen die uns via Getränken, Superfoods und Supplements zur Verfügung stehen, an die Effektivität von Fasten und Intervallfasten reichen sie aber lange nicht heran.

In diesem Artikel vergleichen wir die Wirkung bzw. die aktuelle Datenlage von Spermidin mit jener von Intervallfasten, und beleuchten natürlich auch den Einfluss von Spermidin auf Corona.

Ach und wer sich jetzt erst fragt was Intervallfasten und Autophagie überhaupt genau ist, klickt für Erklärung bitte auf den jeweiligen Link. Die kürzeste Erklärung der Autophagie: „Es ist eine Art körpereigenes Zellrecyclingsystem.“

Was ist die Wirkung von Spermidin?

Spermidin verstärkt, aktiviert und beschleunigt die Autophagie. Autophagie wiederum sorgt dafür, dass der Körper aus überflüssigen Zellresten und sonstigen zellulären Abfällen Energie gewinnt. Dies wiederum hält den Körper gesund, fit und jung. In der Regel geschieht dies wenn wir fasten oder beim Sport. Im Prinzip immer dann wenn der Körper seinen Energiebedarf nicht vollständig mit Nahrung decken kann.

Die Autophagie gilt als einer der Hauptbenefits von Fasten und Intervallfasten. Man könnte also sagen:

Spermidin simuliert „eine“ der positiven Wirkungen von Fasten.

Wenn Ihr genau wissen wollt welche Wirkung Autophagie im Körper entfaltet, empfehle ich Euch wärmstens meinen Artikel „Was ist Autophagie? Was bewirkt Autophagie?„.

Was ist die Wirkung von Intervallfasten?

Intervallfasten wirkt auf verschiedene Arten positiv.

Fasten und Intervallfasten wirken auf vielfache Weise:

  • Es aktiviert, beschleunigt und verstärkt die Autophagie.
  • Es führt zu einer Erhöhung des HGH (Human Growth Hormone)
  • Fasten aktiviert sog. Sirtuine: Enzyme, die in engem Zusammenhang mit Langlebigkeit stehen.
  • Es bringt uns in einen vorübergehend überlegenen Stoffwechselzustand, die Ketose.

Ausgehend von diesen Mechanismen wirkt sich Intervallfasten positiv aus auf Herz, Hirn, Leber, Jugendlichkeit, Abnehmerfolg, Muskelaufbau, Diabetes, Arthritis uvm.. Intervallfasten ist ein wahrer Segen für den Körper. Erfahrt daher alles darüber im Artikel „Was bewirkt Intervallfasten? Welche Vorteile hat Intervallfasten?„.

Die einzige Überschneidung von Intervallfasten und Spermidin ist wie gesagt die Autophagie.

Spermidin vs. Intervallfasten für Autophagie

Zu Intervallfasten bestehen konkrete Zahlen.

Wir wissen bis hier hin, dass Intervallfasten viel mehr im Körper bewegt als Spermidin dies tut. Doch sehen wir uns an, was von beidem den größeren Einfluss auf Autophagie hat. Dafür müssen wir die Autophagie zunächst etwas genauer begreifen.

Autophagie etwas genauer erklärt

Im Körper befinden sich sog. Autophagosome. Am besten stellt man sie sich als bläschenartige Soldaten vor. Grob gesagt sind sie es, die den Zellabfall einschließen und zu Energie wandeln. Autophagie definiert sich in einer erhöhten Anzahl dieser Autophagosomen. Ein gewisser Grad dieses Prozesses geschieht ständig, in jungen Körpern stärker, in alten weniger.

Autophagie ist also kein Schalter, sie entspricht eher einem Dimmer. Und zwar einem der ständig aktiviert ist und mit Maßnahmen wie Fasten, Sport, Ernährung oder Supplements aufgedreht, also verstärkt werden kann. Die Anzahl der Autophagosomen und somit der Grad der Autophagie lässt sich messen.

Der Einfluss von Fasten auf Autophagie

Eine mehrfach bestätigte Messung ist ein Anstieg um etwa 300 % der Autophagosomen nach 24 Stunden reinem Fasten. Und zusätzliche 30 % nach weiteren 24 Stunden. Wir reden hier allerdings von reinem Fasten, kein Sport, keine zusätzlich verstärkenden Getränke oder Supplements.

Wir können also ohne weiters mutmaßen dass ein ähnlicher Anstieg schon nach 16 oder 18 Stunden besteht wenn wir an jenem Tag Sport treiben und Kaffee trinken.

Der Einfluss von Spermidin auf Autophagie

Hier muss ich leider sagen: Ich konnte keine Zahl finden. In den Publikationen ist im Wesentlichen die Rede von all den Benefits der Autophagie und dass Spermidin diese ohne zu fasten herbeiführt, konkrete Zahlen fehlen aber. Ich konnte noch nicht mal konkretere Mechanismen bzw. Signalwege ausmachen über die Spermidin die Autophagie anregt oder in welchem Bereich Spermidin besonders wirkt.

  • So weiß man z. B. dass das Antioxidans ECGC (Epigallocatechin gallate) in grünem Tee zu einem verstärkten Fluss an Autophagosomen in der Leber führt.
  • Das 6-Shogaol in Ingwer verstärkt Autophagie über den AKT/mTor-Signalweg und kann nachweislich Krebszellenwachstum unterdrücken.
  • Kurkuma verstärkt und aktiviert Autophagie über den Signalweg des AMPK.
  • Das Resveratrol in Rotwein führt zu verstärkter Autophagie in der Lunge.

Detailliertere Infos zu den einzelnen Punkten findet Ihr in diesem Artikel.

Auf jeden Fall findet sich zur Zeit wenig Konkretes über die Wirkungsweise von Spermidin auf Autophagie, mit einer Ausnahme: Den Einfluss von Spermidin auf die autophagische Abwehr des Körpers gegen das Coronavirus.

Spermidin gegen Corona – Warum die Forschung so optimistisch ist

Spermidin scheint Covid-19 die Ausbreitung zu erschweren.

Hier wird es tatsächlich interessant. Das Coronavirus hemmt die Autophagie, was im Umkehrschluss nahelegt, dass Autophagie dem Virus die Ausbreitung erschwert.

Eine Studie der Berliner Charitè kam zum Ergebnis, dass das Coronavirus nicht nur die Autophagie, sondern auch die körpereigene Produktion von Spermidin im Darm behindert. Daraufhin untersuchte man in wie weit Spermidin die Autophagie wieder erhöht und die Ausbreitung des Virus beeinflusst. In Zellkulturen konnte so die Vermehrung des Virus tatsächlich um 85 % gesenkt werden.

In der Studie wurden ebenfalls gesunde Zellen mit Spermidin behandelt und anschließend dem Coronavirus ausgesetzt. Und auch hier konnte man die Wahrscheinlichkeit einer Infektion deutlich senken, jedoch nicht gänzlich verhindern. Spermidin wirkt also zweifach gegen Corona, indem es die Vermehrung des Virus hemmt, und durch Stärkung des Immunzellpools. So zumindest im Labor.

Spermidin – Wirkung noch nicht bewiesen

Solche Ergebnisse veranlassen natürlich zu einer gewissen Euphorie. Aber Experten legitimieren. Sie weisen nachdrücklich darauf hin, dass es keine Versuche an Menschen gab und der Weg dorthin noch weit ist. Die momentan vorsichtige Empfehlung der Experten: Einige Weizenkeime übers Müsli geben.

Ein jüngerer Artikel der Verbraucherzentrale sieht sämtliche Forschungsergebnisse kritischer. Das Fazit des Artikels: „Wirkung nicht bewiesen„. So könnte die benötigte Menge an Spermidin, die in den Untersuchungen zu positiven Ergebnissen hinsichtlich Covid-19 führte, niemals über Ernährung oder ein Supplement zugeführt werden.

In breit angelegten Beobachtungen mit Menschen konnten sich jene mit Spermidin-reicher Ernährung über zusätzliche 5 gesunde Lebensjahre freuen. Die berechtigte Kritik: Die meisten Spermidin-haltigen Lebensmittel zählen zu den tendenziell „gesunden“ Lebensmitteln. Menschen, die sich gesund ernähren, treiben in der Regel auch mehr Sport, rauchen und trinken weniger. Man hat also lediglich ein weiteres mal bewiesen, dass sich das Leben mittels Lifestylemodifikation verlängern lässt. Ein klassischer Fall von Korrelation ≠ Kausalität.


Zumindest wissen wir dass Spermidin nicht schadet und wenn auch keinen bewiesenen direkten Einfluss, zumindest einen Anteil an Gesundheit und Langlebigkeit hat. Warum es also nicht in unser Leben integrieren?

Spermidin als Nahrungsergänzung oder Lebensmittel – Was ist besser?

Im Zweifelsfall besser die natürliche Variante.

Das hängt im Wesentlichen von Eurer Beziehung zum Essen ab. Lebensmittel wären der natürliche Weg, Supplements bieten eine höhere Dosierung. Mehr zu dem Thema findet Ihr im Artikel „Autophagie durch Spermidin„. Für mich persönlich ist die Antwort klar: Ich halte mich an Lebensmittel, ziehe mir hier und da sogar meine eigenen Weizenkeimlinge.

Ich bin in der Hinsicht allerdings nicht unbedingt ein sinnvoller Maßstab. Meine Affinität zu Essen grenzt manchmal schon an einer ungesunden Obsession. Mein Ratschlag wäre daher: Besorgt Euch eine Packung Weizenkeime und verwendet Sie bei passenden Gelegenheiten. Das ist natürlich, mit ziemlicher Sicherheit gesund, und super günstig.

Jene die es maximal natürlich und frisch haben wollen, können der Anleitung zum Selbermachen folgen. Wer sich nicht viel aus Lebensmitteln macht aber dennoch Spermidin konsumieren will, greift zu einem Supplement.

Besser Intervallfasten oder Spermidin gegen Corona?

  • Präventiv: Definitiv Intervallfasten.
  • Akut: Definitiv Spermidin.

Intervallfasten stärkt den gesamten Organismus ungemein. Wer regelmäßig fastet, hat im Ernstfall definitiv bessere Karten für einen milden Verlauf. Wer sich bereits angesteckt hat sollte längere Phasen ohne Nahrung aber seinlassen. Der Körper bekämpft Viren besser und schneller mit stabilem Blutzucker und ausreichend Nährstoffen.

Bei Spermidin ist die Wirkung gegen Corona zwar nur im Labor und mit unerreichbar hohen Dosen belegt, angesichts aktuell mangelnder Alternativen würde ich aber sagen: „Vielleicht“ hilft es und „höchstwahrscheinlich“ schadet es nicht.

Wer diesen Weg gehen will, sollte aber definitiv auch einen Blick auf andere Autophagie-verstärkende Getränke, Superfoods und Supplements werfen.

Fazit zu Intervallfasten vs. Spermidin

Grundsätzlich ist Fasten und Intervallfasten jeglicher Substanz überlegen, in so gut wie jeder Hinsicht. Die einzige Ausnahme scheint die akute Behandlung von viralen Erkrankungen wie dem Coronavirus.

Quellen:

Chris

Chris ist ausgebildeter Ernährungstrainer und beschäftigt sich seit jeher mit der komplexen Welt des Essens, was, wie viel, und warum es häufig sinnvoll ist, einfach mal darauf zu verzichten.

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