Nobelpreis für den Entdecker der Autophagie und ihrer Bedeutung, Prof. Ohsumi aus Japan


Kalorienrestriktion, Bewegung und Fastenpraktiken gelten seit je her als Förderer von Gesundheit und Langlebigkeit. Der japanische Zellbiologe Prof. Yoshinori Ohsumi hat nach Jahrzehnte langer Forschung nun herausgefunden warum. Das Zauberwort lautet: Autophagie.

Am Anfang seiner Forschung stand grob gesagt die simple Frage: Wie verhält sich der menschliche Körper, und vor allem seine Zellen, in einer akuten Hungersituation? Die Antwort darauf fand er bei der Untersuchung gewöhnlicher Hefe.

Autophagie in Hefezellen

Als Ohsumi Ende der 80er Jahre mit seiner Forschung begann, wusste man bereits bestens über menschliche Zellen, deren Bestandteile und die Bedeutung der Autophagie Bescheid. Die Mechanismen dahinter waren aber noch völlig unklar. Die Antwort fand der Japaner schließlich in der intensiven Untersuchung von Hefezellen. Er stellte fest, dass Hefezellen den menschlichen Zellen in mancherlei Hinsicht ähneln und auch über den Mechanismus der Autophagie verfügen.

Schließlich waren es mutierte, Autophagie-defekte Hefezellen, die ihn auf die richtige Spur brachten. Durch die Erforschung der Gene dieser defekten Zellen konnte er die genaue Abfolge der Autophagie rekonstruieren. Ausgehend davon haben Ohsumi und sein Team schließlich jene Gene identifiziert, die den Prozess der Autophagie auch beim Menschen steuern.

Mit Autophagie und Fasten zum Nobelpreis

Selten wurde ein Nobelpreis für Medizin dermaßen gerecht vergeben. Prof. Ohsumi hat Jahrzehnte lang beharrlich geforscht, entgegen vieler Widrigkeiten und Widerstände. Gut 30 Jahre seines Lebens hat dieser sympathische Japaner dem Thema der Autophagie gewidmet. Heute kann er der Menschheit aufgrund seiner Arbeit eine sowohl wissenschaftlich fundierte, als auch sehr einfache Handlungsanweisung geben: Fasten.

Millionen von Menschen erkennen nun, dass Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Alzheimer kein unabwendbares Schicksal darstellen und dass es nicht immer teurer Medikamente bedarf. In sehr vielen Fällen kann simpler Nahrungsverzicht zur Genesung beitragen. Prof. Ohsumi hat wie selten ein anderer aufgezeigt, dass die Lösung für ein medizinisches Problem viel häufiger der Verzicht auf Überflüssiges ist, als die Einnahme vermeintlicher Medizin.

Seine Arbeit ist wesentlicher Teil einer breiten Trendwende, weg von der Behandlung mit aggressiven Medikamenten, hin zur biologisch belegten Selbstheilungskraft des Körpers. Fastenkuren setzen sich nach und nach als effektive Heilpraktik durch, gleichzeitig erkennen auch immer mehr Menschen das Potential der Autophagie für den Erhalt ihrer Gesundheit. Manche gehen sogar noch weiter und betreiben gezielt einen Lebensstil zugunsten von Autophagie für anhaltende Jugendlichkeit.

Autophagie und die Biologie der Verjüngung

Autophagie gilt als Verjünungselixier

Hat Autophagie das Potential, den Körper zu verjüngen oder das Altern zu stoppen? In einer perfekten Umgebung, vielleicht. Im realen Leben, Nein! Sie kann das Altern aber definitiv bremsen. Altern ist schlussendlich nichts anderes als ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen kranken und gesunden Zellen. Autophagie sorgt dafür, dass gesunde Zellen länger die Oberhand behalten.

Das Zellrecycling wird niemals alle modernen Umwelteinflüsse und deren schädigenden Einfluss kompensieren, es hilft dem Körper aber besser damit umzugehen und den Schaden gering zu halten. Prof. Ohsumi hat uns mit seiner Forschung ein mächtiges Instrument für einen gesunden und resistenten Körper in die Hand gegeben.

Was ist Autophagie noch mal genau?

Die Kurzversion: Der Körper hält Frühjahrsputz.

Die weniger kurze Version: Sog. Autophagosome, das sind Bläschen mit einer doppelten Membran, schließen potentiell schädliche Proteinreste in sich ein und sorgen für deren Verstoffwechslung. Stellt Euch diese Autophagosome als des Körpers Soldaten vor. Dies geschieht in gesunden Körpern ständig, in jungen Körpern mehr und schneller als in alten. Autophagie beschreibt ein erhöhtes Vorkommen dieser Autophagosome als Reaktion des Körpers auf Stresssituationen wie Nahrungsmangel. Der Körper beginnt, sich selbst zu metabolisieren und startet bei jenen Elementen, auf die er am besten verzichten kann: Überflüssige und/oder schädliche Zellreste.

Für die detaillierte Version verweise ich Euch mit Freuden auf meinen Artikel „Was ist Autophagie? Was bewirkt Autophagie?.

Die Wissenschaftsgemeinde ist begeistert

Ausgehend von Ohsumis Arbeit forschen Wissenschaftler rund um die Welt begeistert an den Mechanismen und weiteren Anwendungsmöglichkeiten der Autophagie. Michael Jantsch zum Beispiel, Zell- und Entwicklungsbiologe an der Med-Uni Wien führt begeistert aus, wie gestörte Autophagie-Abläufe an einigen Tumorerkrankungen beteiligt sind.

Claudine Kraft von den Max Perutz Laboratories in Wien berichtet, wie Autophagie neben Abfall, auch in die Zelle eingedrungene Pathogene, z. B. Bakterien erkennt und beseitigt. Eine Art Schutz vor Krankheitserregern also. Eine sehr große Rolle spielt Autophagie auch bei neurodegenerativen Erkrankungen. Deaktiviert man bei Mäusen z. B. die Autophagie nur im Gehirn, kommen sie zwar lebend zur Welt, zeigen aber sofort Anzeichen von Alzheimer und Parkinson.

Frank Madeo vom Institut für molekulare Biowissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz verweist auf zahlreiche Tiermodelle, in denen Neurodegeneration mittels Induktion von Autophagie bekämpft werden konnte. Der Wissenschaftler scheint auch nicht weiter verwundert.

Schließlich entstehen neurodegenerative Krankheiten durch exzessive Verklumpung und Ansammlung nicht entsorgter Proteine, die die Funktion von Nervenzellen stören. Autophagie metabolisiert diese Proteine, verhindert deren Aggregation, und somit auch die Störung der Nervenzellen.

Frank Madeo ist von diesem Ansatz so überzeugt, dass er ein eigenes Medikament mit dem Autophagie-förderndem Wirkstoff Spermidin auf den Markt brachte. Es gilt als wirkungsvolle Alternative zum Fasten. Mehr über den Wirkstoff und das Medikament erfahrt Ihr im Artikel „Autophagie durch Spermidin“.

Medikamente, Nahrungsergänzung und Diäten aufgrund Ohsumis Forschung zur Autophagie

Der Trend zur Nahrungsergänzung erreicht auch die Autophagie.

Doch nicht nur die Wissenschaftsgemeinde ist begeistert. Wenn ein biologischer Prozess den Erhalt und die Wiederkehr von Gesundheit, Wohlbefinden, und gar der Jugend verspricht, entgeht das natürlich auch der Wirtschaft nicht. Das eben erwähnte Spermidin ist nur eines von vielen Produkten, von denen sich Unternehmer, Investoren, und ganze Konzerne ein ordentliches Geschäft erwarten. Inzwischen ist eine Unzahl an Wirkstoffen, Getränken, Lebensmitteln und ganzen Diäten bekannt, die für mehr Autophagie sorgen sollen.

Rotwein und Kaffee (Mit Klick gelangt Ihr zu den jeweiligen Artikeln) stehen seit dem Nobelpreis zum Beispiel ganz hoch im Kurs. Nicht dass diese beiden Genussmittel Werbung gebraucht hätten, aber nun gilt Rotwein aufgrund des Inhaltsstoff Resveratrol, Kaffee aufgrund seiner Polyphenole und des Koffeins, als Booster für Autophagie.

Und so ziemlich jede Frucht, Beere oder Grünzeug beinhaltet plötzlich einen Autophagie-fördernden Wirkstoff. Fisetin, Naringin, Sulforaphan, Berberin, Schisandrin, um nur einige zu nennen. Und sämtliche Wirkstoffe gibt es inzwischen natürlich hochkonzentriert als Nahrungsergänzung. Bei Interesse: Hier findet Ihr eine Liste mit so ziemlich allen aktuell erhältlichen Supplements, welche mehr Autophagie versprechen.

Auch eine ketogene Ernährung scheint sich günstig auszuwirken, zumindest auf den Grad der Autophagie. Grüner Tee, schwarzer Tee, Ingwer, Kurkuma, der Reishi Pilz, sie alle fördern aufgrund verschiedener Inhaltsstoffe und Eigenschaften die Autophagie. Mehr zu dem Thema findet Ihr im Artikel „Die beste Diät für Autophagie …“.

Ich persönlich beschränke mich auf Tees, Kaffee, und natürlich Rotwein :). Könnte ich aus irgendwelchen Gründen nicht vorübergehend auf Nahrung verzichten oder Sport treiben, wäre ich auch einem Supplement nicht abgeneigt. Bis dahin halte ich mich aber an die Idee des Nobelpreisträgers, und zwar regelmäßig zu fasten.

Prof. Yoshinori Ohsumi – Mit Eigensinn zum Nobelpreis

Viele würden über Prof. Ohsumi sagen, er war seiner Zeit voraus. Er selbst sagte über sich in einem Interview: „Ich mag Konkurrenz nicht, ich kämpfe nicht gern, also suchte ich mir ein Gebiet, das andere nicht interessiert hat. Außerdem beobachte ich einfach gern unterm Mikroskop die Arbeit der Zellen.“ Ein Fall von Eigensinnigkeit der sich ausgezahlt hat, nicht nur für Prof. Ohsumi, seine Karriere, und sein Team, sondern für uns alle.

Nach 27 Jahren der Forschung erhält er im Jahr 2016 schließlich den Nobelpreis für Medizin. Doch der Zellbiologe bleibt bescheiden. Er selbst sagt, er hätte nicht das Gefühl, auch nur ansatzweise alles verstanden zu haben, und es gäbe noch eine Menge zu erforschen. Prof. Ohsumi lehrte jahrelang an der Universität von Tokio. Nach seiner Pensionierung kehrte er dorthin als Ehrenprofessor zurück.

Quellen:

  • https://www.aerztezeitung.at/archiv/oeaez-2016/oeaez-20-25102016/medizin-nobelpreis-2016-yoshinori-ohsumi-zellforschung-autophagie.html
  • https://www.tz.de/leben/gesundheit/medizin-nobelpreis-zellforscher-yoshinori-ohsumi-erklaert-gesunde-ernaehrung-6806197.html
  • https://www.derstandard.at/story/2000045251875/medizinnobelpreis-fuer-zellforscher-yoshinori-osumi

Chris

Chris ist ausgebildeter Ernährungstrainer und beschäftigt sich seit jeher mit der komplexen Welt des Essens, was, wie viel, und warum es häufig sinnvoll ist, einfach mal darauf zu verzichten.

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