Was bewirkt Intervallfasten? Welche Vorteile hat Intervallfasten, und was passiert dabei im Körper?


Immer mehr Menschen integrieren Intervallfasten in ihren Alltag, und wie ich aufgrund persönlicher Erfahrung sagen kann, aus gutem Grund. Die Liste der Vorteile und positiven Auswirkungen auf den Körper ist beeindruckend.

Welche Wirkung hat Intervallfasten? Welche Vorteile bietet es? Welche Effekte hat es auf Herz, Gehirn, Darm, Leber, Haut und Blutzucker? Wogegen kann Intervallfasten helfen?

Intervallfasten hat unzählige geniale Effekte auf den Körper, im Folgenden die 4 wesentlichen Mechanismen dafür:

  • Intervallfasten bewirkt einen enormen Anstieg des Wachstumshormons „Somatropin“, besser bekannt in der englischen Bezeichnung HGH (Human Growth Hormone).
  • Fasten ist der stärkste Auslöser für die sog. Autophagie, ein körpereigenes Zellrecyclingprogramm, das vor Krankheiten schützt und viele auch heilt.
  • Fasten und Intervallfasten versetzen uns nach einiger Zeit in einen alternativen Stoffwechselzustand, bei dem wir Fett statt Zucker als Energiequelle nutzen, die Ketose.
  • Intervallfasten bewirkt weiters die Aktivierung sog. Sirtuine. Das sind multifunktionale Enzyme, die in engem Zusammenhang mit Gesundheit und Langlebigkeit stehen.

Ausgehend von diesen 4 Mechanismen ergibt sich eine Vielzahl an positiven Auswirkungen:

  • Muskelaufbau, Regeneration und allgemeine Heilung beschleunigen sich.
  • Intervallfasten verbessert Cholesterinwerte, Blutdruck und Herzgesundheit.
  • Es ist ein Segen für die Leber. Sogar eine bereits existierende Fettleber erholt sich drastisch.
  • Ein erkennbar schöneres Hautbild entsteht, sowohl in Gesicht als auch in Problemzonen.
  • Es kommt zu stark erhöhter Fettverbrennung: Fett dient im Fasten als leicht zugängliche Energiequelle.
  • Die Bauchspeicheldrüse bekommt eine Pause, die Insulinsensitivität der Zellen verbessert sich, der Blutzucker stabilisiert sich langfristig. Sogar bereits bestehender Diabetes beginnt zu heilen. Erfahrt hier mehr über Intervallfasten gegen Diabetes.
  • Existierende Gehirnzellen werden geschützt und die Bildung neuer Neuronen im Gehirn angeregt.
  • Lernfähigkeit und Erinnerungsvermögen verbessern sich.
  • Intervallfasten schützt vor sog. amyloiden Plaques zwischen den Neuronen im Gehirn, dem Auslöser von Alzheimer.
  • Jede Art von Entzündung im Körper verringert sich, von Arthritis, Rheuma, bis hin zu Autoimmunerkrankungen.
  • Der Darm erhält eine Pause. Nach 24 Stunden kommt es dort sogar zur Bildung neuer Stammzellen und er heilt.
  • Die Autophagie verarbeitet jegliche Art von Mikroben und Pilzen im Körper.
  • Nach 48 Stunden beginnt der Körper sogar einige Krebsarten und Tumore zu bekämpfen.

Wie zu Beginn gesagt, die Liste ist beeindruckend. Als es vor einiger Zeit geheißen hat, Intervallfasten wäre die gesundheitliche und teils auch medizinische Revolution unserer Zeit, hielt ich das für übertrieben, heute nicht mehr. Für Einiges gibt es momentan lediglich starke Anhaltspunkte, für Vieles aber bereits knallharte Beweise. Sehen wir uns die Vorteile und Auswirkungen des Intervallfastens auf den Körper genauer an.

Ach und wer sich jetzt erst fragt was Intervallfasten überhaupt genau ist und wie es funktioniert, erfährt alles darüber in diesem Artikel. Und wer meint bereits genug zu wissen und gleich mit dem Intervallfasten beginnen will, liest sich vorher bitte zumindest den Artikel übers richtige Fastenbrechen durch. Häufig steht und fällt damit der gesamte Fastenerfolg.

Mehr Muskeln, bessere Regeneration, und schnellere Heilung mit Intervallfasten durch das Wachstumshormon HGH

Intervallfasten fördert Muskelwachstum und Regeneration.

Das menschliche Wachstumshormon Somatropin, oder wie es weitläufig besser bekannt ist „Human Growth Hormone“, ist grob gesagt jenes Hormon, das dafür sorgt, dass junge Menschen leichter Muskeln aufbauen, öfter trainieren können, sich schneller regenerieren, und generell besser heilen.

Es besteht aus 191 einzelnen Aminosäuren, wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) produziert, und in Form von Sekretionspulsen in den Blutstrom abgegeben. Es ist für die Entwicklung von Geweben (unter anderem Muskelgewebe) sowie die Steuerung einer Vielzahl wichtiger Vorgänge im Körper zuständig.

Die schlechte Nachricht ist, mit dem Alter nimmt die körpereigene Produktion von HGH immer mehr ab. Doch die gute Nachricht ist, Intervallfasten erhöht die natürlich ausgestoßene Menge drastisch, in Kombination mit Sport um bis zu 2000 %. Es hat also gute Gründe wenn ein Hugh Jackman alias Wolverine, im Alter von jenseits der 40, zur Vorbereitung für seine Rolle einen 16/8 Intervallfasten-Rhythmus einsetzt.

Das soll jetzt bitte nicht heißen Ihr braucht nur täglich 16 Stunden zu fasten und die Muskeln wachsen wie von selbst. Hugh Jackman hat auch Kreatin genutzt, und Training sowie Ernährung wissenschaftlich optimieren lassen. Vielleicht hat er auch anderweitig nachgeholfen.

Intervallfasten ist großartig für Muskelaufbau, hat aufgrund des kleineren Zeitfensters zur Nahrungsaufnahme aber seine Grenzen. Bodybuilder und Berufsathleten verzichten daher meist aufs Fasten und greifen zur künstlichen Variante des Wachstumshormons. Wie sich das langfristig auf die Gesundheit auswirkt vermag ich nicht zu sagen, ich rate Euch aber definitiv zur natürlichen Methode.

Regelmäßiges Intervallfasten wirkt sich auch noch anderweitig positiv auf Muskelaufbau aus. Der Prozess der Autophagie – dazu kommen wir gleich – beseitigt auch überschüssiges Östrogen im Körper. Und dies wirkt wie bekannt als Gegenspieler zum aufbauenden Testosteron.

Zellerneuerung, Zellreinigung, Zellregeneration – Gesunde Zellen durch Intervallfasten

Autophagie ist einer der mächtigsten Heilungsmechanismen.

Das Zauberwort lautet „Autophagie“, vom griechischen „autophagos“, was so viel heißt wie „sich selbst verzehrend“. Das klingt zunächst ein wenig beängstigend, ist in Wahrheit aber einer der genialsten und wertvollsten Mechanismen des Körpers. Dabei geschieht grob gesagt nichts anderes, als dass der Körper jegliche überflüssigen, schädlichen, und krankheitserregenden Elemente im Körper, zu verwertbarer Energie umwandelt.

Das können kranke und entartete Zellen, jegliche Zellreste, Plaque im Gehirn, alte Kollagenfasern, ausgediente Fibroblasten (Zellen, die Kollagen für schöne Haut produzieren), und sogar überschüssige Haut und Fettgewebe sein. Erst wenn alte Zellen und Zellreste entsorgt werden, entsteht Platz für neue, schöne und leistungsfähige Zellen.

Was hat das alles mit Intervallfasten zu tun? Nun dieser Prozess geschieht ständig, in jungen Körpern besser und schneller als in alten. Doch erst in einer Situation des Nahrungsmangels beschleunigt sich das Zellrecycling. Autophagie hat damit zum Teil den Charakter eines Energie-Beschaffungs-Notfallprogramms. Nur dass die Notnahrung dabei potentielle zukünftige Krankheitserreger sind.

Eine mehrfach bestätige Zahl ist die Verstärkung des Prozesses um 300 % nach 24 Stunden reinem Fasten. Dies lässt sich zum Glück auf vielfache Art beschleunigen. Sport, Kaffee, Tee, Spermidin, sind nur einige Stichworte. Ich bin von Autophagie dermaßen begeistert, ich habe dem Thema eine eigene Kategorie auf dieser Website gewidmet. Dort erfahrt Ihr wirklich alles darüber:

Sehr viele der positiven Auswirkungen des Intervallfastens sind auf Autophagie zurückzuführen. Es wird an unterschiedlichsten Ansätzen und Einsatzmöglichkeiten geforscht. Doch Intervallfasten bewirkt noch mehr.

Ketose durch Intervallfasten – Der bessere Stoffwechsel?

Ketose beschreibt einen alternativen Stoffwechselzustand. Dabei wechselt der Körper von Glukose als primärem Energielieferanten, auf sog. Ketonkörper. Diese Ketonkörper werden in der Leber aus Fetten gebildet. Und dies tut die Leber in 2 Situationen:

  1. Wenn der absolute Großteil der Nahrungsenergie aus Fetten stammt und der Anteil an Kohlehydraten auf praktisch 0 reduziert wird.
  2. Wenn der Körper in einer Situation des Nahrungsmangels gezwungen ist, auf eigene Fettreserven zurückzugreifen.

Der Grad an Ketose definiert sich in der Anzahl an Ketonkörpern im Blut. Und diese ist wesentlich höher wenn wir fasten als wenn wir Großteils Fette essen. Um während des Fastens in Ketose zu gelangen, müssen erst sämtliche Glykogenspeicher in Muskeln und Leber aufgebraucht sein. Dies kann je nach generellem Essverhalten und Bewegungsumfang bis zu 48 Stunden dauern. Bei Optimierung aber auch schon nach 12 oder 14 Stunden eintreten.

Welche Vorteile hat Ketose?

Der absolut größte Vorteil der Ketose ist natürlich die Abwesenheit von Glukose, also Zucker. Zucker ist für den Körper nicht nur Treibstoff, im Übermaß schädigt er Zellen und Gewebe, ist stark entzündungsfördernd, verursacht und fördert Herzkrankheiten, Diabetes, Krebs, Alzheimer und vieles mehr. Wäre Zucker harmlos, fielen Diabetespatienten nicht die Beine ab.

Menschen in Ketose berichten von stabilerem und angenehmerem Hungergefühl, damit verbunden auch stabiles Gewicht, athletisches Auftreten und eine bisher nicht gekannte mentale Klarheit. Und tatsächlich haben Ketonkörper einige sehr vorteilhafte Auswirkungen auf Körper und Gehirn. Dies wirft natürlich eine Menge grundlegender Fragen auf. Ist Ketose der zu bevorzugende Stoffwechselzustand? Beim dem Thema scheiden sich die Geister.

Viele Menschen schwören auf dauerhafte Ketose durch eine ausschließlich sehr fettreiche Ernährung. Erfolge bei vielen Krankheiten, von Diabetes über viele Arten von Krebs bis hin zu neurologischen Leiden, geben ihnen Recht. Andere berichten über Probleme bei der Rückkehr zum „normalen“ Zuckerstoffwechsel. Es fühle sich an als wüssten die Zellen nicht mehr was sie mit der Glukose anfangen sollen.

Langfristige Daten zu ständiger Ketose fehlen bislang. Die ältesten und gesündesten Völker der Welt essen aber definitiv eine relevante Menge an Kohlehydraten. Und wie vorhin erwähnt, der Körper erreicht einen viel höheren Grad der Ketose im Fasten als durch stark Kohlehydrat-reduzierte Ernährung.

Daher das Fazit zu Ketose für den praktischen Gebrauch: Integriert regelmäßige, zu Euch passende Fastenroutinen in Euren Alltag und genießt sämtliche Fastenbenefits, gemeinsam mit der Ketose. Bewahrt aber eine gesunde Skepsis gegenüber der ketogenen Ernährungsvariante.

Mehr über die gängigsten Methoden und Varianten des Intervallfastens findet Ihr in diesem Artikel.

Mehr Sirtuine mit Intervallfasten

Sirtuine gelten als Langlebigkeitsenzym.

Sirtuine gelten in Gesundheitskreisen häufig schon fast als Wunderenzyme, die Krankheiten auf magische Weise heilen und das Leben verlängern. Forschungen und Experimente an Mäusen weisen tatsächlich auf einen solchen Zusammenhang hin. Und anders als bei den anderen Vorteilen des Intervallfastens (HGH, Autophagie, Ketose), erfolgt die Aktivierung von Sirtuinen schon bei kleinen Stressreizen. Ein nach wenigen Stunden knurrender Magen ist meist schon genug.

Sirtuine dienen dem Körper zur Aufrechterhaltung eines Stoffwechselgleichgewichts, der sog. metabolischen Homöostase. Studienergebnisse lassen vermuten, dass der lebensverlängernde und gesundende Effekt mehr eine Art Begleiterscheinung, als der eigentliche Zweck von Sirtuinen ist. Sie reagieren auf unterschiedlichste Stressreize, nicht nur auf Nahrungsknappheit.

So zeigen sich auch kleine Mengen pflanzlicher Abwehrstoffe, also streng genommen „Gifte“, als sehr effektiv zur Aktivierung. Die meisten biologisch angebauten Obst- und Gemüsesorten, Nüsse und Kräuter (vor allem Wildkräuter) dienen bereits diesem Effekt. Ein dadurch populär gewordener Wirkstoff ist z. B. das in Rotwein enthaltene Antioxidans Resveratrol.

Das exakte „Warum“ Sirtuine die Lebensspanne von Versuchstieren deutlich verlängern, ist immer noch Gegenstand intensiver Forschung. Mit hoher Sicherheit lässt sich lediglich sagen, dass es so ist. Für den täglichen Gebrauch ergeben sich simple Anweisungen: Fastet regelmäßig, baut hochwertige pflanzliche Lebensmittel in Eure Ernährung ein, und gönnt Euch von Zeit zu Zeit ein Gläschen Rotwein!

Intervallfasten für Gehirn und Gedächtnis

Wir denken bei Ernährung und Diäten häufig lediglich an den Körper, und unterschätzen deren Auswirkung aufs Gehirn. Intervallfasten ist eine der besten Maßnahmen für die grauen Zellen, auf mehrfache Weise:

  • Zunächst wäre da die Arbeit der Autophagie im Gehirn. Sie entsorgt und recycelt dort Abbauprodukte wie das hochgefährliche Sphingosin-1-phosphat und amyloide Plaques. So bleibt eine gute Kommunikation zwischen den Neuronen erhalten, das Gehirn länger leistungsfähig, und Krankheiten wie Alzheimer und Demenz entstehen gar nicht erst.
  • Ebenfalls sehr vorteilhaft fürs Gehirn wirkt Ketose. Die Ketonkörper erhöhen dort den sog. BDNF (Brain Derived Neurotrophic Factor). Das ist ein Protein zum Schutz existierender Neuronen und Synapsen sowie zur Förderung des Wachstums neuer. Es wirkt vor allem in Bereichen, die wichtig für Gedächtnis und abstraktes Denken sind.
  • Intervallfasten ist auch eine der besten Maßnahmen gegen Insulinresistenz. Diese wird schnell zum Problem für den Hippocampus, dem wichtigsten Vermittler zwischen Kurz- und Langzeitgedächtnis. Eine durch ständigen Zuckerüberschuss entstandene Insulinresistenz hungert dieses wichtige Areal im Gehirn geradezu aus.

Also denkt bei Eurer nächsten Heißhungerattacke auf Chips und Schokolade nicht nur an Bauchspeck und Hüftgold. Beides lässt sich mit ziemlicher Sicherheit wieder wegtrainieren. Inwiefern entstandener Schaden im Gehirn rückgängig gemacht werden kann, ist ungewiss.

Intervallfasten für den Darm

Der Darm profitiert mehrfach von Essenspausen.

Wie wirkt sich eine vorübergehende Pause wohl auf den Magen-Darm-Trakt aus? Sie wird ihm vermutlich gut tun und bei der Erholung helfen. Schon das Minimum von 16 Stunden ist eine enorme Erleichterung. Richtig interessant wird es dann ab etwa 24 Stunden. Zu dieser Zeit erhöht sich die Anzahl der Stammzellen im Darm und er kann von Grund auf heilen.

Untersuchungen zeigen auch, dass ungünstige, aber sonst sehr hartnäckige Darmbakterien sich beim Intervallfasten drastisch reduzieren, gute und nützliche Darmbakterien hingegen nicht. Intervallfasten ist also auf jeden Fall gut für die Darmflora. Um daraus einen größeren Vorteil zu ziehen bzw. eine stark angeschlagene Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen, bedarf es allerdings eines disziplinierten Fastenbrechens mit den richtigen Pre- und Probiotika zur richtigen Zeit.

Stellt Euch Eure Darmflora wie einen Gemüsegarten vor. Wenn dieser voll ist mit Unkraut (schlechte Darmbakterien) und Ihr düngt, was wird dann wohl schneller wachsen, das Gemüse (gute Darmbakterien) oder das Unkraut? Das Unkraut muss erst raus damit das Gemüse den Dünger nutzen kann. Das Fasten ist in dieser kleinen Analogie der fleißige Gärtner.

Das richtige Fastenprotokoll kann hier wahre Wunder vollbringen. Ich werde Euch einen detaillierten Artikel zu dem Thema verlinken sobald er online ist. So lange verweise ich Euch an die weisen Worte einer meiner Helden und Vorbilder Thomas Delauer.

Intervallfasten und Verdauung

Die Verdauung ist einer der Gründe, warum ich bei jeder Gelegenheit rate, es mit dem Intervallfasten langsam angehen zu lassen. Die Verdauung mag keine radikalen Veränderungen in unserem Essverhalten. Das ist zwar individuell sehr unterschiedlich, manche Menschen sind mit einem in Menge, Konsistenz und Regelmäßigkeit geradezu goldenem Stuhlgang gesegnet, viele neigen aber schon mal zu Durchfall oder Verstopfung.

In beiden Fällen lässt sich das Unheil durch eine sanfte Gewöhnung an Fastenphasen vermeiden. Viele Menschen berichten von einer Verbesserung ihrer Verdauung durch Intervallfasten. Das kann natürlich daran liegen, dass der gesamte Magen-Darm-Trakt sich endlich erholen konnte und nun wieder besser arbeitet, vielleicht liegt es aber auch nur an einer einhergehenden Ernährungsumstellung, weg von verarbeitetem Junk, hin zu richtigem Essen.

Der Einfluss des Intervallfasten auf die Verdauung ist zwiegespalten. Menschen berichten von Verbesserungen, aber auch schon mal von Schwierigkeiten. Intervallfasten ist für viele Leiden und Probleme nahezu ein garantierter Erfolg, für geschmeidige, regelmäßige Toilettengänge leider nicht.

Intervallfasten gegen Autoimmunkrankheiten wie Arthritis und Rheuma

Intervallfasten hilft effektiv bei entzündlichen Erkrankungen.

An exakten Gründen und Ursachen von Autoimmunerkrankungen wie Arthritis und Rheuma fehlt es bislang. Die beste Idee der klassischen Medizin zurzeit sind entzündungshemmende Medikamente. Fasten und Intervallfasten hat sich allerdings als hocheffektiv gegen so ziemlich jede Art von Entzündung im Körper gezeigt. So auch gegen eine Reihe von Autoimmunerkrankungen, unter anderem der gefürchteten rheumatoiden Arthritis.

Aktuell ist ungewiss, was Fastenprotokolle so effektiv gegen entzündliche Krankheiten macht, gewiss ist allerdings, dass sie es sind. Es könnte die verschiedensten Gründe haben:

  • Man vermutet z. B., dass ein löchriger Darm (leaky gut) der Auslöser für Autoimmunkrankheiten ist. Fasten regeneriert und heilt den Darm auf mehrfache Weise.
  • Es könnte sein, dass sich die Autophagie jenen entzündungsfördernden Elementen im Blut annimmt, sie zu Energie recycelt, dadurch das Immunsystem entlastet und/oder entzündliche Erkrankungen erst gar nicht entstehen lässt.
  • Ständig hohe Mengen Zucker im Blut gelten als entzündungsfördernd, Ketonkörper hingegen nicht. Wenn der Körper nach Aufbrauch der Glykogenspeicher in Ketose wechselt, erhält der Organismus eine Pause von Zucker.
  • Vielleicht spielt auch der starke Anstieg des regenerierenden HGHs (Human Growth Hormone) während des Fastens eine Rolle.

Es könnte auch eine Kombination der vielfältigen positiven Effekte des Intervallfastens sein. Ich will allerdings erwähnen, dass tägliches Intervallfasten mit 16 oder 18 Stunden Fastenphase bei solch ernsten Erkrankungen nicht den maximalen Effekt hat. Längerfristiges Fasten hat sich hier stärker bewährt. Und dies sollte man, vor allem mit solch ernsthaften Erkrankungen, bitte unbedingt unter professioneller Aufsicht tun.

Intervallfasten gegen Arthrose

Arthrose ist, auch wenn es ähnlich wie Arthritis klingt, primär kein entzündliches Leiden, sondern lediglich eine Verschleißerscheinung in Gelenken. Die Ursachen sind meist mechanischer Natur wie Überbelastung oder Fehlstellungen, am häufigsten im fortgeschrittenen Alter. Irgendwann nützt sich der Knorpel im Gelenk schneller ab als er nachgebildet wird, der Knochen liegt auf und entzündet sich.

Kann Intervallfasten bei diesem Leiden helfen? Teilweise:

  • Natürlich kann Fasten mit der Entzündung helfen. Das wäre aber lediglich Symptombehandlung. Bei Fehlstellung oder Überbelastung also besser erst die Ursache beheben!
  • Liegt die Ursache des Knorpelschwunds bei einem unterversorgten oder anderweitig von Krankheit geplagten Körper, hilft Intervallfasten höchstwahrscheinlich auch bei der Ursachenbekämpfung.

Intervallfasten und seine Wirkung auf Hormone

Intervallfasten hat Einfluss auf einige Hormone.

Grundsätzlich sei leider erwähnt, aus hormoneller Sicht ist Intervallfasten für Männer einfacher und sicherer als für Frauen. Aber sehen wir uns die relevanten Hormone einzeln an.

  • Das zu Beginn erwähnte HGH (Human Growth Hormone) und die vermehrte Ausschüttung im Fasten ist für Frauen wie Männer ein großer Vorteil.
  • Auch die erhöhte Sensitivität auf Insulin durch Intervallfasten tut uns allen gut.
  • Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin: Nahrungsentzug stresst den Körper in einem gewissen Maß und es kommt vermehrt zur Ausschüttung von Stresshormonen. Dies kann im Übermaß natürlich zum Problem werden. Ein erträgliches und allmählich gesteigertes Maß macht Körper und Geist aber stärker. Bedeutet in der Praxis: Macht an Eurem ersten Fastentag nicht gleich ein HIIT-Training und haltet nicht die erste öffentliche Rede Eures Lebens. Macht an diesem Tag stattdessen einen Spaziergang und lest ein leichtes Buch.
  • Hungerhormone wie Leptin und Ghrelin: Hier wird es etwas knifflig für Frauen. Ihr Hormonhaushalt reagiert intensiver auf Hungerhormone. Dies macht das Fasten für Frauen gefühlt schwerer, in Extremfällen verlieren Frauen die es mit dem Fasten übertreiben dann auch mal ihre Periode.

Aber das klingt im ersten Moment schlimmer als es in der Praxis ist. Es bedarf schon einer ordentlichen Portion Nachlässigkeit und Unvernunft damit Intervallfasten zu hormonellen Problemen führt. Ich habe mich dieser Thematik umfassend in einem eigenen Artikel angenommen: „Worauf Frauen beim Intervallfasten achten sollten“. Dort findet Ihr detaillierte Erklärungen und einfache Empfehlungen für einen sicheren Start.

Intervallfasten und die Schilddrüse

Intervallfasten stand schon mal in der Kritik es wäre von Nachteil für die Schilddrüse und deren Hormone. In erster Linie wichtig für die Schilddrüse ist aber, dass die wichtigen Mikronährstoffe Selen, Jod, Vitamin A und D nicht vernachlässigt werden. Und dies passiert in Zusammenhang mit Intervallfasten lediglich bei schlechter Ernährung oder einem zu großen Kaloriendefizit.

Es spricht sogar einiges dafür dass Intervallfasten vorteilhaft für die Schilddrüsenfunktion ist. So wurde beobachtet, dass Intervallfasten bei der Umwandlung des Schilddrüsen-Vorläuferhormons T4, zur aktiven Form des Schilddrüsenhormons (T3), hilft. Bei jeglicher Unsicherheit oder Problemen mit der Schilddrüse, haltet vor Aufnahme eines Fastenprotokolls zur Sicherheit natürlich Rücksprache mit einem Arzt.

Intervallfasten – Ja oder Nein? Fazit

Unter Einbezug aller Daten und Fakten: Ein klares Ja! Aufgrund der wirklich beeindruckenden Liste an positiven Auswirkungen könnte man Intervallfasten gut und gern als hocheffektive medizinische Intervention bezeichnen. Und das im Rahmen eines relativ einfach umzusetzenden Lifestyles. Intervallfasten gilt als weitgehend sicher.

Es hilft gegen so gut wie jede der häufigeren Todesursachen der heutigen Zeit, stärkt, verjüngt, und verschönert. Eine solch mächtige Praxis geht natürlich nicht vollkommen ohne Risiken einher. Es gibt Gruppen von Menschen, die nicht fasten sollten. Leider betrifft dies eher Frauen als Männer. Intervallfasten greift zu einem gewissen Grad in den Hormonhaushalt ein, für Männer fast ausschließlich zum Vorteil, für Frauen manchmal leider auch zum Nachteil.

Quellen:

Chris

Chris ist ausgebildeter Ernährungstrainer und beschäftigt sich seit jeher mit der komplexen Welt des Essens, was, wie viel, und warum es häufig sinnvoll ist, einfach mal darauf zu verzichten.

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