Was ist Intervallfasten? Wie funktioniert Intervallfasten? Welche Methoden und Varianten gibt es?


Als ich das erste Mal von Intervallfasten bzw. damals vom englischen „Intermittent Fasting“ hörte, hätte ich mir nicht vorstellen können, welch große Rolle diese simple und geniale Praxis später in meinem Leben einnehmen wird.

Was ist Intervallfasten? Wie funktioniert es? Welche verschiedenen Arten gibt es? Womit sollte man beginnen? Und vieles mehr

  • Intervallfasten bedeutet zunächst einfach nur, dass man Essenszeiten und Fastenzeiten einhält bzw. strikt voneinander trennt.
  • Die gängigste Form des Intervallfastens bezieht sich auf einen einzelnen Tag und unterteilt diesen in eine strenge Fastenphase, und ein Essfenster. Das allgemeine Minimum ist dabei 16/8. 16 Stunden Fasten, 8 Stunden essen. Dies lässt sich intensivieren bis zum sog. OMAD (One Meal a Day) mit 23 Stunden Fasten und nur 1 Stunde essen.
  • Eine andere Form ist das Alternate Day Fasting, also einen Tag essen, einen Tag fasten oder sehr kalorienreduziert essen.
  • Immer populärer wird auch die sog. 5-2 Diät, also wochentags normal essen, am Wochenende fasten oder auch nur sehr kalorienreduziert essen.
  • Viele Menschen legen auch einfach immer wieder mal, in unregelmäßigen Abständen, einen Fastentag oder eine kleine Fastenzeit ein, dies können 24, 36, auch bis zu 72 Stunden sein.
  • Komplette Anfänger beschränken sich besser erst mal auf einen einzelnen Tag und starten mit einer strikten Fastenphase von 14 oder überhaupt nur 12 Stunden.

Intervallfasten muss kein Lifestyle werden. Betrachtet es als mächtiges Tool Eurer Gesundheits-Toolbox, das Ihr anwenden könnt wann und so oft Ihr wollt. Viele sagen Fasten wäre einschränkend, ich sage es ist enorm befreiend. Intervallfasten verbessert nicht nur die Gesundheit, es vermag auch so ziemlich jeden Tagesplan zu vereinfachen. Sehen wir uns das alles etwas genauer an.

Und wenn Ihr meint bereits genug zu wissen und gleich mit dem Fasten beginnen wollt, lest Euch vorher zumindest den Artikel übers richtige Fastenbrechen durch. Häufig steht und fällt damit der Erfolg des Intervallfastens.

Wie und warum funktioniert Intervallfasten so gut?

Intervallfasten hat gegenüber den meisten anderen Diäten und Therapien 2 wesentliche Vorteile:

  1. Es ist gesundheitlich bestens untersucht und greift auf Millionen von Jahren der Evidenz zurück.
  2. Es bietet die psychologisch sehr wertvolle Abgrenzung zwischen Essen und Nichtessen.

Der gesundheitliche Aspekt

Die Frage warum Fasten so gut für unsere Gesundheit ist, ist leicht erklärt. Wir befinden uns heute in einer evolutionär weitgehend neuen Situation. Noch nie mussten wir so wenig Energie zur Nahrungsmittelbeschaffung aufwenden und noch nie war Nahrung in solchem Übermaß bei gleichzeitig so extrem hoher Kaloriendichte verfügbar.

Mit dieser Situation sind unser Organismus, und vor allem unser Belohnungssystem im Gehirn, vollkommen überfordert. Unsere Physiologie ist das Resultat von Millionen von Jahren der Entwicklung. Zu 99,9 % dieser Zeit war Nahrung knapp, wir wanderten und liefen täglich zig Kilometer auf der Suche nach Essen, ausgedehnte Fastenphasen waren die Norm.

Der Körper hat schließlich Mechanismen entwickelt, diese regelmäßigen Fastenphasen zu seinem Vorteil zu nutzen. Stichwörter HGH, Autophagie, Insulinsensitivität, etc. Um diese evolutionären Geschenke zu nutzen, müssen wir heute die Norm des ständigen Essens brechen und immer wieder mal bewusst auf Nahrung verzichten.

Der psychologische Aspekt

Einen sehr großen Anteil am Erfolg des Intervallfastens hat auch simple Psychologie. Diät halten ist unter anderem deshalb so schwer, weil es häufig keine klaren Grenzen zwischen erlaubt und nicht erlaubt gibt. Punktesysteme und Unmengen komplexer Regeln erschweren Diäten oft zusätzlich. Beim Fasten gibt es nur eine Regel: „Iss bzw. trinke nichts, das Nahrungsenergie liefert!“

Dieser psychologische Vorteil wird zusätzlich gestützt von physiologischen Anpassungen. Der Körper schaltet nach einiger Zeit des Nahrungsentzugs von Zuckerstoffwechsel um auf Ketose (Fettstoffwechsel). In diesem Stoffwechselzustand dient körpereigenes Fett als leicht zugängliche Energiequelle. Das Verlangen nach energiereichem Essen (meist Süßem) reduziert sich drastisch bis vollständig.

Intervallfasten gilt vollkommen zu Recht als die Diätrevolution unserer Zeit. Es ist einfach, effektiv, flexibel, spart Zeit und Geld, und ist als langfristige Maßnahme nicht nur geeignet, sondern auch empfehlenswert.

Die verschiedenen Arten des Intervallfastens im Detail

Für so ziemlich jedes Ziel findet sich die geeignete Variante.

Werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Varianten des Intervallfastens, deren Vor- und Nachteile, welche Art zu welcher Person und zu welchen Zielen passt, und welche unterschiedlichen Herangehensweisen sich inzwischen selbst bei den einzelnen Varianten entwickelt haben.

Klassisches Intermittent Fasting mit einem 16/8 Minimum

Diese Variante ist die mit Abstand populärste. 16 Stunden nichts zu essen scheint machbar, zumal wir gut die Hälfte davon schlafen. Viele Menschen frühstücken ohnehin nicht, es entfallen also nur Milch und Zucker für den Kaffee sowie eventuelle vormittägliche Snacks.

Die Vorteile des 16/8 Rhythmus liegen klar auf der Hand:

  • Er ist einigermaßen leicht durchzuhalten, auch zu Beginn.
  • Lässt sich nahezu problemlos in so ziemlich jeden Arbeitsalltag integrieren.
  • Die Anzahl der Mahlzeiten reduziert sich meist von 3 auf 2, man gewinnt also zusätzlich Zeit.
  • Das Sozialleben leidet kaum, man kann abends wie gewohnt essen gehen.

Nachteile des 16/8 Rhythmus:

  • Ein wenig leidet das Sozialleben vielleicht doch, nach dem Abendessen sind nämlich keine alkoholhaltigen Getränke mehr erlaubt. Ein Gläschen Rotwein zum Abendessen wäre wiederum empfehlenswert.
  • 16 Stunden Fasten gelten weitgehend als Minimum, die gesundheitlichen Benefits halten sich in Grenzen.

Wie lässt sich die Effektivität des 16/8 Rhythmus erhöhen?

Um auch gegen Ende der 16 Stunden schon intensiver von den Kräften des Fastens zu profitieren, stehen uns verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Sport: Bewegung erhöht und beschleunigt die Fastenbenefits enorm. Wie, welche Art von Sport, und zu welcher Zeit, erfahrt Ihr im Artikel über Sport und Autophagie.
  • Kaffee und verschiedene Tees erhöhen die Effektivität des Fastens ebenfalls.
  • Und wer der Tabletteneinnahme nicht abgeneigt ist, findet auch Verstärker in Form von Supplements.
  • Wenn möglich kann man hier und da die 16 Stunden einfach mal auf 17, 18 oder 20 Stunden ausdehnen.

Dieser klassische Rhythmus ist für fast jeden geeignet, mit Ausnahme natürlich jener Personen, die von vorn herein nicht fasten sollten, aufgrund von Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum, Krankheiten etc. Mit 16/8 lässt sich so ziemlich jedes Ziel erreichen. Sei es die Verbesserung der allgemeinen Gesundheit, Gewichtsverlust, Steigerung der Athletik, und sogar Muskelaufbau. Die Grenzen dieses Systems liegen in der Bekämpfung so mancher Krankheiten und Leiden, bei denen längerfristiges Fasten sehr wohl hilft.

Alternate Day Fasting – Jeden zweiten Tag Fasten

Diese Version ist hierzulande vielleicht auch bekannt unter FDH (Friss die Hälfte). Von dieser Methode kursieren 2 Herangehensweisen. Eine strikte und eine, nennen wirs, abgemilderte Form. Die strikte Form besagt, einen Tag lang darf gegessen werden, den nächsten nicht. Bei der abgemilderten Form wird einen Tag lang „normal“ gegessen, den nächsten Tag dann nur etwa 500 kcal.

Die Vor- und Nachteile davon liegen wieder klar auf der Hand. Wer die Hälfte, oder nur 60 % seines Energiebedarfs isst, wird abnehmen, und zwar schnell. Zu schnell wenn Ihr mich fragt. Diese Methode, egal welche Version davon, hat eher den Charakter einer Crashdiät als den eines gesunden Lifestyles. Betrachtet diese Methode (in der strikten Variante) eher als vorrübergehende Kur, bei der sich der Körper und seine Verdauung an Fastentagen so richtig erholen können.

Für wen ist Alternate Day Fasting zu empfehlen?

  • Kurzfristig, für so ziemlich jeden. Die meisten Organismen können von vorrübergehend langen, regelmäßigen Fastenzeiten profitieren. Eine Woche ist dann aber auch genug.
  • Abnehmwillige finden darin ebenfalls eine gute Methode. Nichtessen ist meist einfacher als wenig oder das Richtige zu essen. Je nach Abnehmziel darfs schon bis zu einem Monat sein.
  • Für Fortgeschrittene: Um das Mikrobiom neu aufzustellen. Fasten hat geniale Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Darmbakterien, sofern man sie im Nachhinein richtig füttert. Dies im Detail ist allerdings ein Thema für einen anderen Tag.

Die großen Benefits des ADF treten durchwegs erst bei der strengen Variante auf, also dass jeden zweiten Tag vollständig auf Nahrungsenergie verzichtet wird. Jeden zweiten Tag die Kalorien lediglich stark zu reduzieren ist für die meisten Menschen sowohl physisch als auch psychisch erheblich anstrengender.

Die 5-2 Diät

Das meiste, das für das eben besprochene ADF gilt, gilt auch für die 5-2 Variante. Es gibt ebenfalls eine strikte und eine abgemilderte Form, das insgesamte Kaloriendefizit ist nur wenig geringer. Man könnte meinen, bei ADF handelt es sich um die Variante für Freiberufler, und 5-2 richtet sich eher an den klassischen Arbeitnehmer.

Damit wären wir auch schon beim großen Nachteil bzw. der großen Herausforderung dieser Methode: Wer will nach einer anstrengenden Arbeitswoche am Wochenende dann auch noch hungern? Ich habe zwar schon lange kein klassisches Wochenende mehr, hätte mir seinerzeit aber kaum Schlimmeres vorstellen können.

Theoretisch ergeben sich mit 5-2 (in der strikten Variante) die gleichen Möglichkeiten wie mit ADF, durch die verlängerte Fastenphase sogar noch intensiver. Also wer diese Variante für attraktiv, praktisch und/oder umsetzbar hält, legt los. Bei starkem Übergewicht gern auch mehrere Wochen in Folge. Für die meisten aber ist eine zweitägige Fastenphase einmal im Monat oder nur alle 2 bis 3 Monate mehr als genug.

Wie oft sollte man fasten und intervallfasten? Was ist zu viel?

Die Häufigkeit ist sehr individuell.

Diese Frage hängt sehr stark vom Einzelnen ab. Keine der populären Methoden hat irgendeine Art magischer Eigenschaft, die sich erst bei strikter Einhaltung entfaltet. Jede Stunde, die Euer ansonsten gut genährter Körper fastet, wird Euch guttun. Wichtig ist in erster Linie also nicht wie oder wie oft Ihr fastet, sondern dass. Die beste Methode und Häufigkeit für einen selbst zeigt sich dann schon.

Kombiniert, wechselt und variiert auch gerne die unterschiedlichen Methoden. Viele Menschen fasten z. B. alle 2 Wochen den gesamten Samstag, von Freitagabend bis Sonntagmorgen, gut 36 Stunden. Eine Kombination aus ADF und 5-2 also, und alle 2 Wochen vollkommen ausreichend. Andere fühlen sich wohler mit 4 Fastentagen wöchentlich von je 16-18 Stunden. Wieder andere fasten wöchentlich mehrmals mindestens 16 Stunden und machen zusätzlich eine 36-48 Stunden Fastenzeit 1-mal im Monat.

Ihr seht worauf ich hinaus will, keine der Methoden ist irgendwie exklusiv. Ich teste z. B. gerade eine wöchentliche 36-Stunden-Fastenzeit, in der ich zusätzlich auf Kaffee und jegliche Art von Bildschirm verzichte. Eine Art Dopaminfasten.

Zu Beginn ist die ideale Anzahl an Fastentagen jene, die herausfordert, aber nicht überfordert. Das sind am Anfang meist nur 1 oder 2 Fastentage wöchentlich im 16/8 Rhythmus oder noch weniger. Hat sich der Körper erst mal an regelmäßiges Fasten und eine gewisse Anzahl an Stunden gewöhnt, können sowohl die Anzahl an Fastentagen, als auch der Zeitraum des Fastens erhöht werden. Mehr als 5 Tage wöchentlich sollten es langfristig nach weitgehender Meinung aber nicht sein.

Bei dem Thema Häufigkeit scheiden sich die Geister. Viele sagen man könne jede Variante problemlos dauerhaft praktizieren. Vor allem die tägliche Variante mit 16/8 bis 23/1. Andere sagen in der Variation liegt die große Kraft, da der Stoffwechsel sich Veränderungen anpasst und die Benefits nach einiger Zeit schwinden.

Ich persönlich finde die Befürworter von Variation überzeugender und rate deshalb davon ab ausnahmslos jeden Tag zu fasten. Der Stoffwechsel passt sich immerhin auch an regelmäßig stark reduzierte Kalorienzufuhr an. Das kann ein Vorteil sein, für die meisten Menschen bedeutet es aber lediglich den grausamen Jojo-Effekt.

Wichtig: Intervallfasten stellt an Frauen leicht erhöhte Anforderungen

Frauen werden was Fasten und Nahrungsentzug angeht von der Natur leider benachteiligt. Der weibliche Hormonhaushalt reagiert sensibler auf Hungerphasen und verursacht stärkere Hungergefühle als dies bei Männern der Fall ist. Frauen können durchaus „sicher“ fasten, sollten sich aber, vor allem zu Beginn, an einige wichtige Empfehlungen halten. Umfassende Info und konkrete Empfehlungen zu Intervallfasten für Frauen findet Ihr im Artikel „Worauf Frauen beim Intervallfasten achten sollten“.

Mit welcher Dauer startet man am besten ins Intervallfasten, wie viele Stunden?

Das hängt ebenfalls sehr stark vom Einzelnen ab. Jemand der leicht aufs Frühstück verzichtet und/oder auch nicht sehr spät isst, kann gleich mit 16 Stunden oder mehr starten. Wer allerdings sonst täglich 16 Stunden lang Kalorien zu sich nimmt und noch nie bewusst gefastet hat, startet besser erst mal mit sanften 12 Stunden und tastet sich vorsichtig heran.

Der Körper ist ein Gewohnheitstier. Schockt ihn nach Möglichkeit also nicht gleich mit stark ungewohnten Fastenphasen. Ihr würdet deshalb keinen Schaden davon tragen, ein von Hunger geschockter Organismus lässt einen dann nach der Fastenphase aber schnell zu Schokolade und Kartoffelchips greifen und die Mühe wäre vergebens.

Welche Ernährung ist die beste beim Intervallfasten?

Richtiges Essen in einer Low Carb Variante scheint fürs Fasten ideal.

Wir haben es eben angedeutet, Junkfood und Softdrinks haben in keinem Ernährungsplan etwas verloren. Erfahrungen zeigen, dass Fasten am leichtesten fällt mit einer Variante von Low Carb. Der Sprung in den Fettstoffwechsel fällt dem Körper im Fasten leichter wenn der Stoffwechsel generell schon von einem Übermaß an Kohlehydraten entwöhnt ist. Das ist allerdings eine Tendenz und keine Regel.

Haltet Euch zunächst ganz einfach an richtiges Essen. Soll grob bedeuten: Ein Steak ist besser als Salami, Reis besser als ein Kornspitz, Nüsse besser als Soletti, Früchte besser als Nimm2 Lachgummi, und Zucchini besser als ein Zucchinikuchen. Ich glaube Ihr versteht.

Ob Ihr nun eher Kohlehydrat- oder fettbetont essen solltet, hängt auch von Eurem Stoffwechseltyp ab. Ihr könnt Euch diesbezüglich ärztlich testen lassen, es geht aber auch einfacher. Esst zum Frühstück einmal etwas Kohlehydrat-lastiges wie z. B. Haferbrei, einmal was Fett-lastiges wie Eier und Lachs. Jeweils die gleiche Kalorienmenge. Seht wonach Ihr Euch wie fühlt und wie lange Ihr satt seid.

Vielleicht funktioniert auch beides gut, dann macht Euch keine weiteren Gedanken und genießt es. Allerdings sind das bereits Feinheiten. Auch wenn Ihr nicht exakt Eurem Stoffwechseltyp entsprechend esst, Intervallfasten funktioniert mit so ziemlich jeder „vernünftigen“ Ernährung.

Theoretisch profitiert man von Fasten auch mit mieser Ernährung. Junkfood und Softdrinks haben allerdings eher den Charakter eines Suchtmittels als den eines Nahrungsmittels. Jede Fastenphase fühle sich daher an wie ein Entzug.

Das Thema Ernährung ist wahnsinnig umfangreich. Definitiv zu viel für diesen Artikel. Wenn Ihr mehr über eine gute Ernährungsform fürs Fasten und auch zu Gunsten der Autophagie lesen wollt, empfehle ich Euch wärmsten meinen Artikel: „Die beste Diät für Autophagie.“ Ich habe zum Thema „generelle Ernährung“ auch ein Buch veröffentlich: „Die 5 Säulen der idealen Ernährung“. Mit einer Amazon-Kindle Probemitgliedschaft könnt Ihr es sogar kostenlos lesen.

Intervallfasten besser ohne Frühstück oder ohne Abendessen?

Wirft man einen Blick Richtung Meditationstempeln im fernen Osten, dann definitiv ohne Abendessen. Auch viele sehr gesunde und jugendlich wirkende Menschen der Gegenwart und Vergangenheit in der westlichen Welt sind und waren Anhänger des Dinner Cancelling. Ich kann das ebenfalls bestätigen, meine Schlafqualität steigt rapide wenn der Magen nicht mehr mit Verdauen beschäftigt ist.

Und dennoch sage ich: An geregelten Tagen an denen Ihr 16 oder mehr Stunden fasten wollt, lasst besser das Frühstück weg! Warum? Wir leben hier im geschäftigen Mitteleuropa in einer schnelllebigen Zeit. Die Aussicht, nach einem anstrengenden Arbeitstag am Abend zu hungern, ist für Viele schlicht und einfach unvorstellbar. Und an Wochenenden oder im Urlaub will man es sich gut gehen lassen. Morgens aufs Frühstück zu verzichten fällt wesentlich einfacher.

Ich teile mir meine Zeit fast vollständig selbst ein, sollte theoretisch also problemlos aufs Abendessen verzichten können. Nach einigen Stunden vorm Computer, Sport, Kochen, Hausarbeit etc. freue ich mich aber jeden Tag enorm auf ein entspannendes Dinner. Es beendet quasi den geschäftigen Teil des Tages und leitet Entspannung und Gemütlichkeit ein. Auch wenn die Mahlzeit wie heute eine Low Carb-Variante aus Rindshack, Gemüse und Kokosmilch wird.

Schlussendlich ist beides möglich und die Entscheidung bzw. die Präferenz liegt beim Einzelnen. Achtet zwecks Schlafqualität lediglich darauf, dass zwischen Abendessen und dem Zubettgehen mindestens 2 Stunden liegen, wenn möglich besser 3 oder 4.

Wie lässt sich das Intervallfasten leichter durchhalten?

Es gibt Vieles das einem beim Durchhalten hilft.

Mit dieser Frage wendet Ihr Euch an den Richtigen. Hier einige Vorschläge, Tipps und Tricks, einiges Allgemein, einiges auch aus persönlicher Erfahrung:

  • Schwarzer Kaffee! Vor allem in der klassischen 16/8 Variante. Kaffee verstärkt nicht nur die Fastenbenefits wie Autophagie. Er reduziert auch deutlich Appetit und Hunger. Voraussetzung für Kaffee als Fastengetränk ist allerdings, dass er schwarz getrunken wird.
  • Tee: Mit Ausnahme von einigen Früchtetees ist so ziemlich jeder Tee fürs Fasten geeignet. Für die 16/8 Variante bieten sich vor allem Tees mit günstiger Wirkung hinsichtlich der Fastenbenefits an, hier eine Liste der Top 5 Tees und einigen Mischungen daraus.
  • Für Fastenphasen von 24 Stunden aufwärts gibt es eine Riesenauswahl an therapeutisch wirksamen und äußerst gesunden Fastentees. Eine geniale Mischung wäre z. B. der 7×7 Kräutertee von Jentschura.
  • Eine generell „sinnvolle Ernährung“ erleichtert das Fasten enorm. Am Tag vor einem Fastentag sollte jeglicher Junk tabu sein, ansonsten verwechselt man die Entzugserscheinungen von Zucker schon mal mit Hunger.
  • Wie erwähnt tendieren regelmäßig Fastende fast instinktiv zu Low Carb.
  • Vor allem die Zusammensetzung der letzten Mahlzeit vor der Fastenphase hat großen Einfluss auf das Hungergefühl. Verzichten wir dabei auf Kohlehydrate, sind am nächsten Tag die Glykogenspeicher früher leer, der Körper gelangt früher in die Ketose (Fettstoffwechsel) und der manchmal schon beißende Hunger wandelt sich in eine Art Euphorie (Stichwort Fastenhigh).
  • Dies lässt sich zusätzlich beschleunigen, wenn wir gleich mal zu Beginn des Tages den Kreislauf in Schwung bringen. Eine kurze aber intensive Sporteinheit in der Früh macht nicht nur wach und lässt Bauchfett maximal schwinden, sie leert auch die Glykogenspeicher noch mal schneller und macht den Fastentag angenehmer und effektiver.
  • Vermeidet wenn möglich zu großen psychischen Stress! Ihr sollt natürlich produktiv sein und Euch beschäftigen, Dinge die Euch überfordern oder Sorgen bereiten, können das Fasten aber zur Hölle machen. Für Viele von uns ist Essen nun mal ein ultimativer Seelentröster, der Verzicht darauf in einer schwer bewältigbaren Stresssituation scheint kaum zu schaffen.
  • Vielen hilft auch eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Manchmal entscheiden nur wenige Momente eines Hungertiefs, ob man durchhält oder nicht. Meiner Erfahrung nach folgt aber auf jedes Tief ein Hoch. Jemand der oder die einem in kritischen Momenten gut zuredet, bildet häufig den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg.
  • Und zu guter letzt: Übertreibt es nicht, vor allem zu Beginn!

Fazit zur Bedeutung und Funktion des Intervallfastens

Die Praxis des Intervallfastens gilt vollkommen zu Recht, als die gesundheitliche Revolution unserer Zeit. Es ist einfach umzusetzen, verjüngt, stärkt, verschönert, und das alles während wir uns noch Zeit und Geld für eine Mahlzeit sparen. Welche andere Praxis, Therapieform, oder welcher andere Lifestyle kann das schon von sich behaupten? Es sei auch gesagt: Fasten ist zwar eine große und hocheffiziente Hilfe, aber keine „Abkürzung“ zu mehr Gesundheit, Athletik oder Schönheit, ein Mindestmaß an Disziplin und Durchhaltevermögen ist selbst hier gefordert.

Es gibt natürlich Gruppen, die nicht fasten sollten, und man kann es mit Intervallfasten auch übertreiben, aber auf welche gesundheitlich förderliche Maßnahme trifft das bitte nicht zu? Es ist an der Zeit dass wir zumindest einen kleinen Teil der Verantwortung für unsere Gesundheit annehmen. Mit Intervallfasten steht uns dafür heute ein sehr gut untersuchtes, einfach anzuwendendes, kostenloses, und obendrein äußerst mächtiges Instrument zur Verfügung.

Chris

Chris ist ausgebildeter Ernährungstrainer und beschäftigt sich seit jeher mit der komplexen Welt des Essens, was, wie viel, und warum es häufig sinnvoll ist, einfach mal darauf zu verzichten.

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