Wie sich Intervallfasten auf Blutdruck, Cholesterin und Herzgesundheit auswirkt


Es kursieren immer wieder Gerüchte, Fasten wirke sich negativ auf Blutdruck und Cholesterinwerte aus. Mir schien das wenig Sinn zu ergeben und begann zu recherchieren.

Wie wirkt sich Intervallfasten auf den Blutdruck aus? Ist Intervallfasten mit hohem Blutdruck sicher? Warum kann es während des Fastens zu erhöhten Cholesterinwerten kommen? Wie wirkt sich das alles auf die Herzgesundheit aus?

  • Die Wirkung des Intervallfastens auf den Blutdruck ist schlecht untersucht, in einzelnen Studien zeigt sich aber entweder kein, oder ein positiver Effekt.
  • Intervallfasten scheint sehr sicher für Menschen mit hohem Blutdruck.
  • Erhöhte Cholesterinwerte stammen während des Fastens ganz einfach aus der Verarbeitung des Körperfetts, sind aber Teil eines positiven Prozesses.
  • Intervallfasten zeigt sich aus verschiedenen Gründen als sehr vorteilhaft für die Herzgesundheit.

Die Schulmedizin kommuniziert die Themen Blutdruck, Cholesterin und Herzgesundheit sehr eindimensional mit ihren Patienten. Vor allem in Sachen Cholesterin herrscht oft großer Nachholbedarf. Wie und warum Cholesterin die Arterien verstopfen kann, wie dies den Blutdruck erhöht, wie man solche Probleme spielend leicht verhindert, und wie Intervallfasten bei all dem hilft, erfahrt Ihr gleich im Detail.

Ach und wer sich jetzt erst fragt was Intervallfasten überhaupt genau ist und wie es funktioniert, erfährt alles darüber in diesem Artikel. Und wer meint bereits genug zu wissen und gleich mit dem Intervallfasten beginnen will, liest sich vorher bitte zumindest den Artikel übers richtige Fastenbrechen durch. Häufig steht und fällt damit der gesamte Fastenerfolg.

Was ist Cholesterin und was macht es?

Cholesterin ist ein kristalliner, fettartiger Naturstoff (Wikipedia 2020). Nun diese Definition lässt ein wenig zu wünschen übrig, wichtiger ist ohnehin seine Funktion im Körper. Es ist essentiell für die Hormonbildung (vor allem von Sexualhormonen), für Vitamin D, für die Bildung von Zellmembranen, von Gallensäuren, uvm., kurz gesagt, Cholesterin ist lebensnotwendig.

Den Großteil davon bildet der Körper selbst, in der Leber. Die genauen Zahlen variieren je nach Quelle zwischen 75 und 90 %. Der Körper passt die Eigenproduktion auch der zugeführten Menge durch die Nahrung an. Ob Cholesterin mit der Nahrung nun gut, schlecht, gefährlich oder lebensnotwendig ist, darüber werden sich verschiedene Ernährungsideologien noch lange streiten. Cholesterin an sich ist jedenfalls nicht das Problem.

Wann Cholesterin zum Problem wird

Cholesterin an sich ist nicht gefährlich, es ist lebensnotwendig.

Das Cholesterin an sich wie erwähnt, nie. Eines seiner Transportsysteme kann aber gefährlich werden, das gefürchtete LDL (Low Density Lipoprotein). LDL ist kein Cholesterin, es ist ein Protein, und zwar jenes, das Cholesterin von der Leber zu den Zellen transportiert. Sein Gegenspieler, das HDL (High-Density-Lipoprotein), bringt Überschüsse von den Zellen zurück zur Leber. Nichts von all dem scheint zunächst gefährlich.

Wann genau LDL gefährlich wird

Wenn es in Kontakt mit freien Radikalen kommt und mit ihnen eine Bindung eingeht. Diese freien Radikale gelangen in den Körper primär durch den Konsum von raffiniertem Zucker. Erst wenn ein freies Radikal sich an eine LDL-Zelle hängt, oxidiert das LDL und es wird daraus eine aufgeschwellte, klebrige Verbindung. Diese nun aufgeschwellten LDL-Zellen beginnen zu verklumpen und haften schließlich an Arterienwänden.

Das alleine ist schon ungünstig, es kommt aber noch schlimmer. Das oxidierte LDL dringt in die Arterienwand ein und führt zu heftigen Entzündungen. Hier entsteht eine Schnittstelle zwischen hohen Cholesterinwerten und hohem Blutdruck. Die Entzündungen in den Arterienwänden hemmen die Produktion von Stickoxiden. Stickoxide sind wichtige Signalmoleküle, sie erweitern und entspannen Blutgefäße, erhöhen die Blutversorgung und senken den Blutdruck.

Doch das oxidierte LDL haftet nicht nur an Arterienwänden und erhöht den Blutdruck, es ist auf vielfache Art schädlich. Es reagiert mit Eisen und macht es toxisch, es richtet Schaden in Leber und Bauchspeicheldrüse an. Es hat nicht unwesentlich Einfluss auf die Entstehung von Diabetes. Nichts von all dem geschieht durch Nahrungsfette allein, erst in Verbindung mit Zucker wird die Mischung explosiv.

Fazit also zu Cholesterin aus Nahrungsfetten: Nicht mit Zucker mischen bzw. generell auf raffinierten Zucker verzichten!

Intervallfasten und seine Wirkung auf Cholesterinwerte

Bei Fastenden wurden schon mal erhöhte Cholesterinwerte beobachtet. Das ist leicht erklärt: Ohne Nahrung greift der Körper auf seine Fettreserven zurück. Die Triglyzeride darin liefern Energie, das freigesetzte Cholesterin geht seinen Aufgaben nach (Hormonproduktion etc.). Wenn der Körper beinah seinen gesamten Energiebedarf aus Fett bezieht, zirkuliert natürlich auch mehr Cholesterin.

Dies stellt aber nicht die geringste Gefahr dar, aus 2 Gründen:

  1. Ohne Zucker und vor allem ohne freie Radikale im Blut oxidiert das LDL nicht und richtet keinen Schaden an. Fasten erhöht sogar noch zusätzlich die Menge an natürlichen Antioxidantien.
  2. Die erhöhten Cholesterinwerte gehen mit wesentlich mehr des HDLs und weniger des LDLs einher.

Während des Fastens ist Cholesterin also nicht nur keine Gefahr, es kann auch besser denn je ungehindert seinen überlebenswichtigen Aufgaben nachgehen.

Intervallfasten und seine Wirkung auf hohen Blutdruck

Intervallfasten stabilisiert den Blutdruck.

Dies ist wie bereits erwähnt ein bisher karg erforschtes Feld. Eine der wenigen Studien gibt aber Anlass zu Optimismus. Die Studie ist kostenpflichtig, daher fehlen mir leider einige Details. Jedenfalls wurden darin 60 Menschen mit hohem Blutdruck auf ein Intervallfastenprotokoll gesetzt und auf 4 verschiedene Arten untersucht und überwacht:

  • Office: Der Blutdruck wird in einer Klinik beim Arztbesuch gemessen. Der Stress ist hier tendenziell höher.
  • Home: Messung zuhause in gewohnter ruhiger Umgebung.
  • Ambulatory: Ganztägige Überwachung mit mobilem Gerät. Liefert die besten Daten.
  • Central: Dabei wird lediglich der Wert an der Aorta, der größten Arterie gemessen.

Der Blutdruck unterliegt sehr stark dem aktuellen Stresslevel, daher liefern erst verschiedene Messmethoden relevante Daten. Die Ergebnisse waren interessant. Der Blutdruck senkte sich signifikant bei Office und Ambulatory, blieb aber weitgehend unverändert bei Home und Central. Es besteht also kein Anlass zur Sorge, Intervallfasten könnte den Blutdruck erhöhen, im Gegenteil.

Wie Intervallfasten mit hohem Blutdruck helfen kann

Aufgrund der kargen Erforschung weiß man momentan lediglich dass, und kaum wie genau Intervallfasten den Blutdruck senkt. Einige Zusammenhänge sind aber naheliegend:

  • Klassische Ursachen wie Übergewicht, schlechte Ernährung, Bewegungsmangel, Alkohol und Rauchen stehen generell in krassem Widerspruch zu einem Lifestyle mit regelmäßigem Intervallfasten.
  • Fasten senkt zudem enorm jegliche Art von Entzündung im Körper. Darunter auch die entzündliche Arterienverkalkung durch LDL und Cholesterin.

Intervallfasten reduziert oder eliminiert viele der Risikofaktoren für die Entstehung von hohem Blutdruck und verbessert sogar bereits bestehende gefährliche Zustände wie verengte Gefäße und geschädigten Stoffwechsel.

Ist Intervallfasten für Menschen mit hohem Blutdruck sicher?

Wenn die Studienlage zu einem Thema schwach ist, bleiben häufig nur anekdotische Erfahrungsberichte. Und die sprechen zum Thema Intervallfasten gegen hohen Blutdruck eine deutliche Sprache. Google und Youtube sind voll von Menschen, die sich mit einem Fastenprotokoll erfolgreich selbst behandelt haben.

Weder aus Studien noch aus Erfahrungsberichten geht hervor, dass Betroffene sich durch Intervallfasten je in ernsthafte Gefahr gebracht hätten. Also ja, Intervallfasten scheint für Menschen mit hohem Blutdruck weitgehend sicher!

Was sonst noch gegen hohen Blutdruck hilft

Menschen mit sehr hohem Blutdruck leiden häufig an verschiedenen ungünstigen gesundheitlichen Zuständen und sollten daher vielleicht nicht gleich mit einem ungewohnten und fordernden Fastenprotokoll starten. Daher einige schnelle Tipps gegen hohen Blutdruck:

  • Vernünftige Ernährung: Und damit meine ich erst mal einfach nur, dass Ihr an Süßigkeiten und Snacks vorbei geht. Im Idealfall kauft nichts mit einer Inhaltsstoffliste von mehr als 3 oder 4 Punkten. So vermeidet Ihr auch zu viel Salz.
  • Übertreibt mit dem Salz nicht und verwendet kein billigstes Kochsalz (NaCl), sondern weicht auf hochwertiges Steinsalz oder Meersalz aus.
  • (Moderate) Bewegung: Wer krank ist übertreibt es bitte nicht, aber bei jeder Befindlichkeit gibt es eine Möglichkeit sich zu bewegen.
  • Weniger Stress: Vor allem psychischer Natur.
  • Geht öfters mal raus in die Natur!
  • Lasst die Blutwerte checken! Vor allem ein Mangel an Vitamin D und K2 korreliert stark mit hohem Blutdruck. Also raus in die Sonne oder holt Euch ein vernünftig dosiertes Supplement.
  • Auch ein Mangel an Kalium und Magnesium wirkt sich negativ auf den Blutdruck aus. Esst also Euer Grünzeug oder holt Euch auch hier ein Supplement.

Hoher Blutdruck mag zu einem Teil genetisch prädisponiert sein, in den allermeisten Fällen lässt er sich aber einigermaßen einfach verhindern, und wenn es dafür schon zu spät ist, mit einigen wenigen Lifestyle-Änderungen auch gut behandeln.

Intervallfasten und Herzgesundheit

Intervallfasten wirkt sich vielfach positiv auf das Herz aus.

Dies steht in sehr engem Zusammenhang mit Blutdruck und Cholesterin, Intervallfasten wirkt sich also wunderbar auf die Herzgesundheit aus. Das Herz profitiert aber noch darüber hinaus: In der Regel läuft der Herzmuskel mit Glukose. Wenn nun aber in der Fastenphase das Insulin weit genug sinkt, wechselt das Herz von Glukose als Treibstoff auf eine Ketonkörperart (Acetoacetat). Die Ketonkörper werden sauberer verstoffwechselt und das Herz kann sich vorübergehend von den ständigen Verarbeitungsrückständen ein wenig erholen.

Fazit zu Intervallfasten gegen hohen Blutdruck, Cholesterin und für die Herzgesundheit

Die meisten der heute insgesamt gezählten Todesfälle gehen auf das Herz-Kreislauf-System zurück, die Schulmedizin ist dementsprechend gut etabliert. Studien und detaillierte Untersuchungen zu Behandlungsmöglichkeiten mit Intervallfasten sind derzeit noch selten. Einzelne Studien und Anekdoten stimmen aber durchwegs optimistisch.

Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System sind fast ausschließlich hausgemacht. Der Lifestyle von Betroffenen liegt meist in weiter Ferne von Ideen wie Ernährungsumstellung oder Intervallfasten. Es wird wohl leider noch ein Weilchen dauern, bis Gesundheitssysteme den Schwerpunkt verlagern, von einträglicher Symptombehandlung, auf tatsächlich heilsame Therapien.

Quellen:

Chris

Chris ist ausgebildeter Ernährungstrainer und beschäftigt sich seit jeher mit der komplexen Welt des Essens, was, wie viel, und warum es häufig sinnvoll ist, einfach mal darauf zu verzichten.

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